Mit dem Rad unterwegs im Kosovo

kosovo

Der Grenzübergang von Albanien zum Kosovo ist stark frequentiert und wir müssen ein bisschen warten. Es ist der 26.11.2016 und wir stehen in strahlendem Sonnenschein zwischen den wartenden Autos. Nach ein paar Minuten sieht uns einer der Beamten und bittet uns nett, vorbei an den Autos direkt zum VIP-Schalter zu fahren – Gerne!  🙂

Am Schalter grüßen wir freundlich und übergeben unsere Pässe. Ein fragender Blick vom Beamten und die Worte „Papers for your vehicle please!“. In unseren Köpfen beginnen die wildesten Gedanken – verflucht, haben wir was nicht beachtet? Wir haben keine verdammten Papiere für unsere Räder! Was ist hier los?

„Papers for your vehicle please!“ wird wiederholt und wir stehen da, mit fragenden, verwirrten Blicken.

Dann endlich die Erlösung: „Papers for your Motorcycle?“. Der Beamte denkt wir sind mit Motorrädern unterwegs und wir antworten nur „It’s a bike!“. Das stellt den Mann zufrieden und kurze Zeit später sind wir im Kosovo!

Das erste Ziel, Prizren!

Entlang einer kleinen Straße fahren wir nun Richtung Prizren. Die Menschen grüßen uns freundlich, aber wir stellen fest, dass sie ein wenig zurückhaltender sind als in Albanien. Dennoch fühlen wir uns sehr wohl und freuen uns um so mehr, wenn doch mal einer der Menschen aufgeregt zurückwinkt und uns anlächelt!
Gegen Mittag kommen wir in Prizren an und schauen uns die schöne Stadt an. Es gibt viele tolle, alte Gebäude und schöne Plätze mit Cafés. Viele Menschen sind auf den Straßen unterwegs und es herrscht eine sehr harmonische Stimmung. Wir unterhalten uns mit ein paar Leuten auf deutsch, denn fast alle Menschen hier haben entweder selber in Deutschland gearbeitet oder zumindest einer ihrer Verwandten!

Gegen Abend, nachdem wir uns ein paar Lebensmittel gekauft haben, fahren wir wieder aus der Stadt raus. Entlang der Hauptstraße sind viele Fabriken und Geschäfte – wirtschaftlich sieht es auf den ersten Blick besser aus als in Albanien. Wie es wirklich ist, in diesem durch Korruption, Drogenhandel, ethnische Konflikte und falscher Politik so stark geprägten Land, wissen wir nicht genau. Aber diese Umstände und die Geschichte des Kosovo sind recht komplex und sollen hier nicht weiter thematisiert werden. Der Wikipedia Artikel gibt eine ganz gute Übersicht!

Quer durch den Kosovo

Wir fahren weiter und ungefähr 15 km hinter Prizren finden wir ein paar weitläufige Felder und einen kleinen Feldweg an dem wir unser Zelt aufschlagen – etwa 300 m von der Hauptstraße entfernt. Gegen Abend sehen wir etwa 100 m von unserem Zelt entfernt ein großes Rudel Straßenhunde durch die Felder streifen, dabei laut bellend und miteinander kämpfend – zum Glück entfernen sie sich nach einiger Zeit von uns und wir können ruhig einschlafen.

Morgens geht’s weiter Richtung Prishtina und nach ein paar Kilometern stehen wir vor einem Berg, den es zu überqueren gilt. Wir werden kurzerhand von einem LKW Fahrer angesprochen (auf deutsch!) ob wir Hilfe brauchen oder ob wir unsere Räder auf den LKW laden wollen. Lachend lehnen wir ab und klopfen auf unsere Beinmuskeln! Nachdem wir noch ein paar Minuten geschnackt haben, verabschieden wir uns und radeln den Berg hoch. Danach gibt’s eine hervorragende Bergabfahrt und den Rest der Strecke bis Prishtina ist es schön flach.

In die Hauptstadt!

Gegen Nachmittag kommen wir im Zentrum der Hauptstadt des Kosovo an. Überall hängen Albanien Flaggen und es scheint gerade einen Feiertag zu geben. Wie wir später feststellen, ist morgen der albanische Nationalfeiertag!

Wir quartieren uns im „Center Hostel“ ein und machen einen kleinen Spaziergang entlang der Fußgängerzone. Überall gibt es, wegen der Feierlichkeiten, Stände mit Essen, Trinken und tollen Handwerkswaren. Viele Menschen sind unterwegs und es herrscht eine sehr schöne Stimmung.

Im Hostel unterhalten wir uns noch ein bisschen mit den jungen Besitzern und auf die Frage, warum der albanische Nationalfeiertag hier so groß gefeiert wird, kommt nur die Antwort „Because we are Albania“. Wie oben bereits angedeutet, hat dieses Land es nicht so einfach. Viele Menschen hier wollen, dass der Kosovo zu Albanien gehört. Das ist aber nicht wirklich umsetzbar, seitdem der Kosovo 2008 seine Unabhängigkeit ausgerufen hat und somit ein eigenständiger Staat ist. Wie gesagt, es ist kompliziert.

Am nächsten Tag machen wir einen etwas größeren Spaziergang entlang der Festivitäten zum Nationalfeiertag und schauen uns ein paar Sehenswürdigkeiten an, wie z.B. das „Newborn“ Denkmal zur Unabhängigkeitserklärung. Abends gehen wir in das erste vegane Restaurant im Kosovo – das Baba Ganoush! Wir bestellen uns eine leckere, große „Mixed Plate“ und lassen den Tag danach gemütlich im Hostel ausklingen.

Wieder unterwegs – Richtung Süden!

Morgens frühstücken wir in Ruhe im Hostel und beladen danach wieder unsere Räder. Im leichten Schnee geht es raus aus der Stadt und weiter Richtung Süden. Kurz nach der Mittagspause in Ferizaj beschließen wir, aufgrund des Schnees und der Kälte, ein Motelzimmer zu nehmen. Wir halten an einem Motel und Olga geht rein um einen Preis zu verhandeln. Für 10 Euro dürfen wir 3 Stunden bleiben ist das erste Angebot, aber Olga handelt uns dann schlussendlich doch noch eine ganze Nacht raus. Wofür das Motel sonst wohl so genutzt wird…? 😀

Ist uns egal und wir legen uns gemütlich ins Bett und ruhen uns aus. Im Laufe des Abends werden wir von einem Journalisten aus Michels Heimatstadt angeschrieben, ob wir nicht ein kleines Interview geben könnten? Machen wir gerne und ein paar Tage später gibt es eine ganze Seite über unsere Reise in der lokalen Zeitung! Den Artikel kannst du dir übrigens unter „Pressestimmen“ nochmal anschauen! Abends kocht Michel draußen im Schneetreiben auf dem Balkon ein leckeres Abendessen und nach dem Essen geht’s dann relativ früh zu Bett.

Der letzte Tag unserer Reise durch den Kosovo

Wir bereiten uns im Zimmer unser Frühstück mit Kaffee und Haferflocken zu und tragen danach die Sachen runter. Es hat aufgehört zu schneien und die Sonne scheint uns wieder ins Gesicht – wunderbar!

Es ist nun nicht mehr weit bis zur Grenze nach Mazedonien und gegen Mittag kommen wir am Grenzübergang an.

Der Kosovo ist auf auf jeden Fall ein spannendes Land, hat aber eine sehr problematische Geschichte und auch gegenwärtig noch viele Probleme, die sich nur schwierig lösen lassen. Dennoch wurden wir von den Menschen immer freundlich aufgenommen und wir haben uns zu jeder Zeit sehr sicher gefühlt. Der Kosovo ist unserer Meinung nach definitiv eine Reise Wert und wir werden sicherlich nochmal wiederkommen um das Land ausgiebiger zu erkunden!

Wenn du auch schon mal im Kosovo unterwegs warst und eigene Erfahrungen gesammelt hast, teile diese gerne mit uns! Wenn du noch andere Fragen hast, schreibe am besten einfach einen Kommentar – wir freuen uns sehr!

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10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo ihr beiden,

    ich bin Markus und bin vor einiger Zeit zufällig auf euren Blog gestoßen. Ich begleite euch also schon eine Weile „Undercover“ und hab mir gedacht ich muss euch auch mal eine Nachricht hinterlassen.

    Ich bin schlichtweg begeistert von euren Berichten und natürlich von eurer Reise. Wahnsinn, welchen Mut ihr habt, mit welcher Konsequenz ihr euer Ziel verfolgt und welches Durchhaltevermögen ihr habt (bei schönem Wetter denkt man bald einmal „ach, so eine Radreise wäre schön“, aber wenns dann wirklich nass und kalt ist…)

    Ich hätte noch einige Fragen:
    1. Gepäck: Wenn man sich eure Räder ansieht, dann finde ich, dass ihr da garnicht so arg viel Gepäck mithabt (für eine Weltreise, wohlgemerkt). Das sieht alles recht gut und minimalistisch aus. Ist das wirklich euer ganzes Gepäck oder lasst ihr euch manchmal was nachschicken?

    2. Pannen: Habt ihr schon Pannen gehabt? Um Platte wird man nicht herumkommen. Pickt ihr da die Räder oder verwendet gleich wieder einen Ersatzschlauch? Ich denk mir, es ist wahrscheinlich nicht so einfach, überall einen Ersatzschlauch oder so zu bekommen? Kettenwechsel habt ihr einmal gehabt, allerdings habt ihr das auch zum 1. Mal gemacht wenn ich mich Recht erinnere. Ich hätte da total Angst etwas kaputt zu machen.

    3. Sightseeing: Wenn man soviele Städte und Länder besucht, dann will man sich diese natürlich auch ansehen. Macht ihr das alles mit dem Rad oder sperrt ihr das Rad dann irgendwo ab? Ihr habt doch euer ganzes Hab und Gut am Rad, das wäre ja schlimm, wenn das gestohlen werden würde.

    4. Fahren auf der Autobahn: Ich hab das letzte mal gelesen, dass ihr teilweise auf der Autobahn gefahren seid. Kann man sich so eine Autobahn so wie in Deutschland oder Österreich vorstellen? Gibts da auch einen Pannenstreifen? Und habt ihr so einen Abstandshalter o.Ä.?

    So, mein Eintrag ist eigentlich viel länger geworden als eigentlich geplant. Eigentlich wollte ich euch ja nur lieb grüßen lassen und euch viel Spaß auf eurer weiteren Reise wünschen. Ich freue mich schon auf den nächsten Eintrag.

    Liebe Grüße aus Wien
    Markus

    • Hallo Markus!
      Danke für deinen Kommentar und die netten Worte von dir!! 🙂 Deine Worte haben uns ein großes lächeln ins Gesicht gezaubert 🙂
      Nun gut, dann wollen wir mal deine (sehr tollen) Fragen beantworten 😉
      1. Ja alles dabei und unserer Meinung nach die perfekte Ausrüstung 🙂 ! Ein paar mal haben wir uns Ersatzteile etc. mitbringen lassen. Komplette Listen gibts unter http://www.rausgefahren.de/ausruestung
      2. Platten hatten wir einige. Meistens geflickt aber Schläuche haben wir auch 4-5 dabei. Beim Kettenwechsel vorher ein youtube video ankucken, dann läuft das 🙂 Größte Panne war bisher als Michels Felge kaputt gegangen ist. Da ist er mit dem Bus 800km nach Istanbul gefahren um es reparieren zu lassen. Hat aber alles hervorragend geklappt!
      3. Entweder das Rad bei Warmshowers, couchsurfing oder im Hostel abstellen oder bei den Securities von den Sehenswürdigkeiten nachfragen ob man das Rad „reinstellen“ darf 🙂
      4. Autobahn in z.b. Bosnien&Herzegovina oder Georgien ist vergleichbar mit Landstraße in Deutschland. Wirklich nicht wild da zu radeln da es meistens auch breite Seitenstreifen gibt.

      Danke nochmal und beste Grüße aus Georgien!
      Olga und Michel

      • Hallo Micheal
        Ich habe vor eine Reise mit Fahrrad in Kosovo und Albanien zu machen,ich Leber in Deutschland
        Ich bin in prizren geboren und ich habe dort ein Haus.und die Frage ist wer ihre Lust habt fahr doch mit,ich bin selbst Rennrad fahra.wenn ihre mich anschließen möchtet das wäre mir eine Ehre.ihre könnt mich schreiben Email gjemajceco@gmail.com
        Oder in Facebook GJ.Ceco
        Vielen lieben Gruß aus Köln

  2. Hi,

    danke für die ausführlichen Antworten.

    Na da bin ich schon mal auf den Türkei-Bericht gespannt.

    Ich wünsch euch noch viele schöne Kilometer

    bis bald

    Markus

  3. Hi, cool Eure Tour.

    War letztes Jahr auch dort. Bin von Albanien (Tirana) über den Kosovo (Pristina) nach Skopje (Mazedonien) gereist. Auch ich hatte nur gute Erfahrungen im Kosovo. Allerdings fand ich, das das Land wie ein Basar ist und im Gegensatz zu Albanien, was ich eher als ärmlich empfunden habe. Es wimmelt von gut gefüllten Läden, in denen man wirklich alles bekommen konnte. – IN Albanien hatte ich in den Bergregionen kaum Brot bekommen können.

    Von Skopje ging es bei mir noch weiter über die Berge nach Osten nach Bulgarien (Sofia) über Karlovo ( Tal der Rosendüfte) ans Schwarz Meer.
    Von dort bin ich nach Norden weiter geradelt durch das Donaudelta nach Moldawien und schliesslich nach Chshinau (Moldawien). –

    ES war eine spannende Tour über den Balkan und durch Länder, die man erst einmal so gar nicht kennt und auch keinen Bezug hat.

    Ich wünsche Euch auf Euer Tour alles Gute und viel Spass.

    Rosemarie Weimann

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