Radreise durch Israel und das Westjordanland

israel

Im Winter 2017 haben wir uns aufgrund von drei Faktoren dafür entschieden, von der Türkei nach Israel zu fliegen.
Erstens, Olgas Oma wohnt in Israel und sie mit unseren Rädern zu besuchen, wäre einfach nur genial!
Zweitens, in der Türkei wurde es kälter und kälter und in Israel und Jordanien ist es definitiv wärmer!
Und drittens, natürlich waren wir gespannt auf Land und Leute in Israel und Jordanien!

So sind wir also am 13.01.2017 von Antalya nach Tel Aviv geflogen um die oben genannten Punkte umzusetzen!

Am Flughafen werden wir von einem Freund von Olgas Mama abgeholt, der mit seiner Frau in Tel Aviv wohnt. Dort bleiben wir für zwei Nächte und schauen uns die Stadt an. Die Altstadt von Jaffa, die den Ursprung von Tel Aviv markiert, lädt zum schlendern und bestaunen der alten Gebäude ein – Wirklich schön und man bräuchte eigentlich viel mehr Zeit.

Mit dem Fahrrad zu Oma in Israel!

Aber wir wollen jetzt zu Oma und so machen wir uns am nächsten Tag auf, Richtung Norden, hinaus aus der Metropole. An der Küste gibt es einen super ausgebauten Radweg und so kommt man relativ leicht aus der Stadt raus. Unser Ziel ist Kirjat Jam, eine kleine Stadt im Norden des Landes, 10km entfernt von Haifa.

Am Abend finden wir einen tollen Campingspot direkt am Meer und genießen den schönen Sonnenuntergang während wir uns Hummus mit Brot und Gemüse schmecken lassen. Morgens packen wir unsere Sachen zusammen und nehmen die letzten 80km zu Oma in Angriff. Einen Berg müssen wir noch überwinden und gegen Abend sehen wir vor uns, am Fuße des Berges, direkt am Mittelmeer, die Großstadt Haifa und ein Stückchen weiter auch Kirjat Jam. Eine gute Stunde später kommen wir an Omas Haus an und wie es der Zufall wollte, ist sie grade raus gekommen um zu schauen, ob wir schon da sind! Die Freude ist riesengroß und wir sind überwältigt – Dabei ist es doch gar nicht so unüblich mit dem Fahrrad kurz mal zu Oma zu fahren, oder? Wir haben von Deutschland lediglich 7 Monate gebraucht!
Wir bleiben zwei Wochen hier und erkunden gemeinsam Haifa, den Strand, die Märkte, lassen uns köstlich von Oma bekochen und natürlich haben wir auch eine Menge zu erzählen…
Der Abschied fällt uns allen schwer, da wir die Zeit wirklich sehr genossen haben. Aber wir wollen auch noch den Rest des Landes sehen und wir machen ab, dass wir Oma bei unserer Rückreise noch kurz in Tel Aviv treffen.

Nazareth und der See Genezareth

Also fahren wir jetzt weiter gen Osten, in Richtung Nazareth. Gegen Mittag wollen wir eine Pause machen und warten kurz ab, bis wir die Straße überqueren können. Der nächste LKW rollt langsam an und bleibt direkt neben uns stehen. Der Fahrer steigt aus und ist begeistert von uns! Ihr seid Reisende, keine Touristen, ich mag euch! Dabei drückt er uns ein großzügiges Fresspaket in die Hände! Ich bin Boris, der Hippie sagt er stolz. Er sei auch schon viel gereist und würde sich so gerne mit uns unterhalten, aber er müsse jetzt leider weiter fahren und seine Pakete ausliefern. Danke für das Essen und alles Gute, Boris! Bis dann!

Abends finden wir etwas abseits der Straße einen ruhigen Campingspot, etwa 15km vor Nazareth. Am nächsten Morgen geht es etwas bergauf aber bald kommen wir in dem letzten Dorf vor Nazareth an. Wir schauen auf unsere Karte und finden die richtige Abzweigung – die Freude währt allerdings nicht lange. Nach ein paar hundert Metern ist vor uns plötzlich ein Tor und ein fetter Stacheldrahtzaun – Kein durchkommen!
Verdammt, wenn wir hier nicht durchkommen müssen wir zusätzlich 15km fahren anstatt der 3km die uns jetzt noch nach Nazareth fehlen. Bedrückt checken wir unsere Optionen, aber uns bleibt nur der Umweg… Beim Rausfahren aus dem Dorf fragen wir eine Frau warum hier den das Tor sei. Wie sich herausstellt, spricht sie Deutsch und erklärt uns, dass es vor Jahren mal Probleme gab und deshalb die Stadt komplett eingezäunt wurde. Dies werden wir in Israel noch öfters sehen; das Land der Zäune und Mauern…
Viel besser sind allerdings ihre nächsten Worte, den sie sagt uns dass ihr Chef einen Schlüssel für das Tor habe!
Und so fahren wir wieder zurück zum Tor, warten kurz, und tatsächlich kommt der Chef schon bald angefahren und schließt uns das Tor auf.
Jetzt fahren wir glücklich die letzten Kilometer nach Nazareth und schauen uns die beeindruckende Stadt und vor allem die Verkündigungsbasilika an. Die Basilika steht auf der Höhle, in welcher der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria erschien. Das war schon ziemlich bewegend an diesem sehr heiligen Ort sein zu dürfen.

Später fahren wir dann weiter nach Tiberia, eine Stadt am See Genezareth. Wir wollen noch kurz einkaufen und uns dann hinter der Stadt einen Campingplatz am See suchen.
Als wir fast am Supermarkt angekommen sind, sehen wir vor uns auf einmal einen uns bekannte LKW, und am Steuer sitzt wild winkend Boris, der Hippie! Er fährt an den Seitenstreifen und jetzt haben wir Zeit ein paar Stories auszutauschen. Er zeigt uns Fotos von seinen Reisen und erzählt uns, dass er heute seinen letzten Tag bei der Arbeit hat und erstmal wieder reisen möchte. Im Westjordanland gibt’s viele Hippies sagt er; die waren alle zu lange in Indien!

Tja, jetzt sitze ich auch grade in Indien und schreibe diesen Bericht und kann schon gut nachvollziehen, dass man hier hängenbleibt!

Aber zurück nach Israel; Wir tauschen noch etliche Geschichten und unser Kontaktdaten aus und verabschieden uns von diesem spannenden Menschen.

Wir finden einen wundervollen Campingplatz am See, der leider leider schon dicht hat, und so können wir für unsere Übernachtung dort nicht bezahlen ;).
Von nun an fahren wir Richtung Süden, entlang des Jordans, durch wunderschöne, saftig grüne Berglandschaften. Abends, als wir uns auf die Suche nach einem Campingspot machen wollen, treffen wir den Radfahrer Ilan. Er spricht kaum Englisch, aber er versteht dass wir einen schönen Campingspot suchen – Er erklärt uns, wir sollen ihm folgen. Wir fahren einige Kilometer und wissen nicht wirklich wo er uns hinführt, bis wir irgendwann an einem kleinen See ankommen, der aus einer heißen Quelle entspringt. Er macht Abends gerne eine kleine Fahrradtour hierher erzählt er, während wir gemeinsam an einem Picknicktisch sitzen und uns sein Bier und unsere Pistazien teilen – Einfach Klasse!

Am Abend verabschiedet er sich und wir kriechen in unser Zelt, nur um ein paar Minuten später von einem markdurchdringenden Wolfsgehäule wieder aufzuschrecken. Sie sind weit weg von uns und wir haben nichts zu befürchten, und so genießen wir dieses spannende Naturschauspiel sehr!

Ins Westjordanland und ans Tote Meer

Morgens stehen wir früh auf und springen zur Erfrischung in den See. Wir würden mal sagen, dass es eher eine warme, keine heiße, Quelle war, aber trotzdem ist es wunderbar hier schwimmen zu können; Insbesondere wenn wir daran denken, dass wir einen Monat zuvor in der Türkei noch durch wilde Schneestürme gefahren sind!

Wir überqueren den Checkpoint und befinden uns nun im Westjordanland in Palästinensischen Gebieten. Aus dem saftigen Grün wir langsam eine braun gelbe Steinwüste und am Wegesrand steht ein kaputter Panzer – Grausam was sich hier schon alles abgespielt hat…

Entlang der Grenze zu Jordanien fahren wir weiter Richtung Süden und kommen am nächsten Tag am Toten Meer an. Auf dem „Dead Sea Highway“, der tiefsten Straße der Welt, fahren wir entlang der atemberaubenden Küstenlandschaft. Mittags halten uns ein paar Leute an und laden uns zum Tee ein. Während sie uns den zuckersüßen Kräutertee einschenken, erklären sie stolz, dass sie Palästiner sind. Wir unterhalten uns sehr nett mit ihnen und bedanken uns fleißig für die tolle Gastfreundschaft hier.

Der Meeresspiegel des Toten Meeres sinkt rapide und es gibt viele Sinklöcher an der Küste. Diese entstehen dadurch, dass die salzige Erde an der Oberfläche sehr hart ist, während die unterliegende, weichere Erde ausgespült wird. Irgendwann bricht die obere Schicht dann ein und da man nie weiss wo und wann dies passieren kann, ist es sehr gefährlich sich direkt am Wasser aufzuhalten. Wenn man schwimmen möchte, sollte man dies unbedingt an einem der ausgeschilderten Strände machen.
Gegen Abend folgen wir einem Tipp von Boris, und fahren auf eine Seitenstraße die in die Berge führt.

„Dort oben gibt es einen superschönen Campingspot und ihr werdet einen atemberaubenden Sonnenaufgang erleben!“

Gesagt getan und wir finden wirklich einen tollen Platz um unser Zelt aufzustellen und am nächsten Morgen den feuerroten Sonnenaufgang zu bestaunen.

Morgens fahren wir den Berg wieder runter, zurück ans Tote Meer und in die Stadt „Ein Bokek“. Dort gibt es einen Strand und wir können mit unseren Rädern bis ans Wasser fahren – der tiefste Punkt der Erde auf -430m!

Durch den Süden von Israel bis ans Rote Meer

Am südlichen Ende des Meeres finden wir zumindest einen der Gründe für den sinkenden Meeresspiegel. Eine riesige Fabrikanlage, in der das Wasser verdampft wird um Mineralien für Pflegeprodukte und Düngemittel zu extrahieren – Verrückt…

Jetzt sind wir richtig in der Wüste und es geht weiter in den Süden, Ziel ist Eilat am Roten Meer. Wir füllen unsere Wassersäcke bei jeder Gelegenheit auf und verzehren zum Mittag Nüsse und Datteln, die uns Oma noch mitgegeben hat. Eine unwirkliche, aber dennoch spannende Landschaft. Abends schlagen wir unser Zelt hinter ein paar Sanddünen auf und genießen die unendliche Ruhe der Wüste. Am nächsten Tag geht es weiter durch die Wüstenlandschaft, bis wir abends, nach 100km kurz vor Eilat ankommen.

Eilat ist die Urlaubsstadt Nr. 1 in Israel und es gibt einen wirklich tollen Strand mit sehr angenehmen Wassertemperaturen. Wir verbringen den halben Tag am Strand und fahren gegen 14 Uhr weiter Richtung Grenzposten. Jetzt verlassen wir Israel und es geht es nach Jordanien!

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ui, sagt mal, habt ihr da etwa in der Nähe von Ein Gedi am Toten Meer gezeltet? Das hab ich nämlich auch schon, und zwar 1997 für eine ganze Woche… unter ein paar Büschen neben einer Süßwasserquelle. Die Sinklöcher gab es damals noch nicht, die Steinböcke aber schon!
    Ihr seid echt super inspirierend. Unglaublich was ihr schon alles gesehen und erlebt habt. Ich liebe eure innere Ruhe und de Einfachheit mit der ihr an die ganze Reise rangeht. Echt toll! Eure Ronja

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