Portugal – Fahrradfahren am Atlantik

Portugal

Es ist Anfang August und wir fahren in brüllender Hitze die letzten Kilometer bis zur Grenze von Spanien in den Norden von Portugal. In der Nähe der Stadt Chaves fahren wir gegen Nachmittag über die Grenze und das Erste was wir in Portugal sehen sind Möbelgeschäfte und Möbelgeschäfte – also hunderte von Möbelgeschäften! Ein witziger Erster Eindruck und wir fahren gemütlich an dieser Promenade entlang bis wir an einem kleinen Fluss einen schönen Campingspot finden.

Richtung Porto!

Am nächsten Tag kommen wir wieder auf einen super schönen Radweg und sind froh darüber erstmal von den Straßen zu sein – leider müssen wir feststellen, dass die Autofahrer hier nicht so respektvoll gegenüber Fahrradfahrern sind wie in Spanien. Es geht also entlang einer einsamen alten Bahntrasse durch die Berge und wunderschönen Landschaften. Abends kommen wir an einem Campingplatz vorbei und organisieren uns schnell eine kühlende Dusche!
Wir sind nach wie vor auf ca. 1300 Höhenmetern und finden uns plötzlich ohne große Ankündigung vor einer ca. 30 km langen Abfahrt bis in die Stadt Amarante! Es bringt unglaublich Spaß durch die sich windende Gebirgsstraße zu düsen und den herrlichen Ausblick zu genießen! In Amarante treffen wir zwei Portugiesen die in Deutschland arbeiten und dementsprechend sehr gut Deutsch sprechen. Wir unterhalten uns sehr nett mit ihnen und freuen uns auf weitere solche Bekanntschaften!

Während wir weiter nach Porto fahren, werden wir von vielen Autofahrern angehupt – als wir jedoch das dazugehörige Winken und die Daumen sehen freuen wir uns sehr und sind beruhigt! In Porto haben wir, trotz frühzeitiger Anfragen, leider keine Möglichkeit gefunden bei Warmshowers oder Couchsurfing unterzukommen. Auf unserer Karte haben wir ein paar potentielle Campingspots rausgesucht und fahren halbwegs auf Gut Glück in die Stadt. In einem kleinen verlassenen Park unter der riesigen Eisenbahnbrücke die über den Rio Douro führt, werden wir glücklicherweise schnell fündig. Wir schlafen erstaunlich gut und stehen am nächsten Tag früh auf um die Stadt zu erkunden. Uns gefällt die Stadt sehr gut und es bringt Spaß sie mit dem Fahrrad zu erkunden (Trotz der vielen Berge!). Gegen Abend fahren wir weiter Richtung Süden und verlassen Porto wieder. Auf einer kleinen Wiese finden wir wieder einen schönen Campingplatz und lassen uns Nudeln zum Abendessen schmecken.

Auf nach Lissabon!

Jetzt sind wir wieder am Atlantik und wir fahren auf diversen Radwegen entlang der Küste gen Süden. Das Wetter ist einfach herrlich und das Obst und Gemüse ist unglaublich lecker. Kurzum wir genießen es, trotz der etwas höheren Preise in den Touristenorten, sehr durch dieses schöne, bunte Land zu radeln.

Die letzte Woche sind wir schon in intensivem Kontakt mit Michels Schwester gewesen. Sie hat geplant nach Portugal zu trampen und uns dort an ihrem Geburtstag zu besuchen. Wir haben abgemacht uns in Figueira da Foz zu treffen, wo wir am Abend sein werden. Trampen in Nordspanien und Portugal ist leider nicht so einfach wie in Deutschland und deshalb dauert es für sie den ganzen Tag, ihre letzte Etappe von Santiago de Compostela bis zu uns zu kommen. Aber Schlussendlich kann ich meine Schwester um ca. 23.30 Uhr an ihrem Geburtstag in meinen Arm schließen! Das ist einfach unglaublich schön und wir sind beide zu Tränen gerührt..! Wir verbringen zusammen einen tollen Abend und schlafen in unserem Zelt am Strand. Den nächsten Tag verbringen wir chillend am Strand und unterhalten uns ausgiebig über unsere Reiseerlebnisse.

Am nächsten Tag trennen wir uns mit der Abmachung uns 2 Tage später in Obidos wieder zu treffen. Wir fahren also gemütlich mit dem Rad am Atlantik entlang, den wir in Höhe der Stadt Nazaré nun vorerst zum letzten Mal sehen. Wenn alles wie geplant läuft, sehen wir ihn wohl in Südamerika wenn wir bei Michels Onkel in Buenos Aires sind wieder! WOW – auch für uns unglaublich diese Vorstellung!

In diesem Teil von Portugal gibt es viele Pinienwälder durch die es sich richtig schön fahren lässt. Ein wenig irritierend ist, das an fast allen Bäumen Vorrichtungen für die Harzgewinnung angebracht sind. Das stört das idyllische Bild ein wenig aber irgendwie ist es auch interessant die ganzen mit Harz gefüllten Becher zu sehen. Zwischendurch stehen auch immer mal wieder einige Eucalyptusbäume am Straßenrand, die einen wundervollen Duft verbreiten und richtig tief durchatmen lassen!

So fahren wir glücklich Richtung Süden und als wir am nächsten Tag in Obidos ankommen, ist Michels Schwester auch schon da! In einem alten Bahnhofsgebäude, ein wenig Abseits der Stadt schlagen wir unser Nachtlager auf. Richtig toll in so einem großen alten Gebäude. Wir kochen uns einen riesigen Topf Chili und Michel fährt nochmal schnell zum Supermarkt und kauft ein paar Bier! Wieder ein toller Abend und am nächsten Tag trennen wir uns erneut mit der Abmachung, dass wir uns in Lissabon wiedersehen.

In Lissabon haben wir vor einigen Wochen ein Airbnb Apartment gemietet um einige Tage mit Olgas Mama zu verbringen! Wir kommen auf den Tag genau mit unseren Rädern in der Stadt an und ca. Zwei Stunden später landet auch der Flieger aus Deutschland. Das ist mal ein richtig gutes Timing! Abends kommt Michels Schwester dann auch an und wir machen uns zu viert einen gemütlichen Abend mit köstlicher Pizza, Bier und Wein! Die nächsten 2 Tage machen wir Sightseeing, gehen lecker essen und genießen die Stadt!

Ab jetzt gehts Richtung Osten!

Den Tag darauf trennen sich unser aller Wege dann erstmal wieder. Wir fahren aus der Stadt raus entlang am Tejo und schlagen nach ca. 50 km unser Nachtlager auf. Am Tejo existiert ein riesiges Tomatenanbaugebiet und wir fahren genau zur Zeit der Ernte durch diese Gegend. Die ganze Zeit überholen uns voll beladene LKW und überall stehen riesige Container mit Tonnen von Tomaten, die zu Tomatensauce verarbeitet werden. Echt unglaublich riesige Dimensionen! Die Leute hier sind wieder sehr freundlich und wir sind fast ununterbrochen am Grüßen! Abends campen wir direkt am Tejo an einem schönen Kieselstrand und nehmen noch ein erfrischendes Bad! im Gegensatz zu dem grauen Wasser in Lissabon ist der Fluß hier sehr sauber und richtig schön!

Wir fahren weiter am Fluss entlang Richtung Osten und finden unterwegs Feigenbäume, mit Feigen die so unglaublich süß und lecker sind, dass wir die nächsten Tage nichts anderes mehr zum Mittag essen!
Wir befinden uns jetzt langsam in der Nähe zur spanischen Grenze und die Landschaft ändert sich wieder mal rapide. Überall stehen nun Korkeichen und langsam bilden sich, aus den zunächst einzelnen Bäumen, riesige Wälder bis zum Horizont! Auch wird es entgegen aller Möglichkeiten noch heißer und wir nähern uns der spanischen Gegend Extremadura, die ihren Namen wohl nicht grundlos trägt. Unseren letzten Tag in Portugal verbringen wir an einem Gebirgsfluss und fahren am Abend in der Nähe der Stadt Marvão zurück nach Spanien. Wir waren jetzt 19 Tage in Portugal und sind knapp 850 km gefahren. Es war eine sehr schöne Zeit mit super Wetter, leckerem Essen und größtenteils sehr netten und freundlichen Menschen. Wie bereits geschrieben, waren die Autofahrer leider sehr aggressiv, so dass das Fahren auf Landstraßen eher nicht so schön war. In dem Punkt freuen wir uns definitiv wieder auf Spanien, wo die Autofahrer zum überholen von Radfahrern komplett auf die andere Spur wechseln!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo erneut,

    da nun noch keiner etwas geschrieben hat und ich es als ehemaliger Blogger ebenfalls nicht mochte, dass immer alle lesen, aber keiner den Mund aufmacht, gibt es wieder einmal motivierende Worte für euch. 🙂

    Es macht immer noch Spaß mit euch zu reisen und das Geschehene zu lesen. Als ehemaliger Teilzeit-Hamburger habt ihr sowieso den Heimatbonus in petto und so macht es nochmal so viel Freude, (virtuell) mit dabei zu sein. Wahnsinn, was ihr in dieser knappen Zeit schon erreicht und erlebt habt.

    Ich versuche mich auch immer wieder in euch reinzuversetzen, gerade was die Streckenführung angeht. Mit dem Trike bin ich ja auch mal offroad unterwegs, muss aber gestehen, dass eine der ganz wenigen Nachteile beim Reisen auf drei Rädern ist, dass man bauartbedingt nicht überall hinkommen kann und schon eher auf gute Straßen und Wege angewiesen ist. Wenn ich dann Fotos wie eure „Wanderwege“ sehe denke ich, dass spätestens da die ersten Probleme auf mich zukommen würden. 😉

    Dennoch… mein Reiseherz ist bei euch. Passt auf euch auf und kommt gut an euren Zielen an! Wir freuen uns hier auf der anderen Seite des Monitors auf eure Erlebnisse.

    Viele Grüße aus Hannover,
    Tobias

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