Mit dem Fahrrad durch die Steppe von Kasachstan – Teil 1

Die Grenze zu Kasachstan erreichen wir am 16.06.2017. Jetzt liegen gute 2000km Steppe auf dem Fahrrad vor uns – glauben wir zumindest. Denn Kasachstan sollte doch ganz anderes sein, als wir es uns vorgestellt haben.
Kurz hinter der Grenze werden unsere Vermutungen jedoch erstmal bestätigt. Nachdem wir durch einen letzten kleinen Wald fahren, betreten wir mit unseren Rädern die weiten, grünen Steppen Kasachstans…

In die Steppe von Kasachstan

Unser erstes Ziel ist die Stadt Petropawl, welche etwa 70km hinter der Grenze liegt. Dort kaufen wir uns eine kasachische Simkarte, wechseln Geld, unterhalten uns mit den interessierten Kasachen und quartieren uns dann in einem kleinen Appartement ein um uns etwas auszuruhen.
Am nächsten Morgen fahren wir Richtung Süden aus der Stadt raus und werden dabei kontinuierlich von den Menschen angesprochen und begrüßt. Wir haben von Anfang an einen sehr guten Eindruck von dem Land und den Menschen und sollten dies auch die ganze Zeit so beibehalten. Kasachstan ist ein tolles Land mit extrem freundlichen Menschen!

Gegen den Wind fahren wir durch die Steppe und machen in kleinen Dörfern Pause und frischen unsere Lebensmittel und Wasservorräte auf. Bis jetzt kommt alle paar Kilometer noch ein Dorf und wir müssen uns daher noch nicht so viele Gedanken um unseren Proviant machen. Wir beschließen die Hauptstraße zu verlassen und eine etwas weniger befahrenen Nebenstraße zu nehmen. Der Wind wechselt die Richtung und wir düsen entlang der kargen Graslandschaften in Richtung Borovoe Nationalpark.

Ein paar witzige Autofahrer halten uns an und wollen Bilder mit uns machen und uns zum Essen einladen. Wir machen Bilder und lehnen die Einladung erstmal höflich ab, aber nach ein paar Minuten kommen sie uns wieder entgegen und bestehen darauf uns zum Essen einzuladen. Also stimmen wir lachend zu und werden bis ins nächste Dorf, etwa 10km von den Jungs eskortiert. Dort setzen wir uns in ein kleines Restaurant und uns werden Brot, leckere Salate und Obst serviert. Wie sich rausstellt sind die Männer allesamt Polizisten und sie rufen noch ein paar ihrer Kollegen an, dass auch diese uns so gut behandeln sollen! Zum Abschied bekommen wir eine Flasche Cognac, ein paar Liter Bier, eine Tüte voller Obst und ein paar Brote geschenkt. Das sollte unsere erste und einzige Erfahrung mit der Polizei in Kasachstan bleiben!

Nationalpark und Astana

Gegen Abend kommen wir in einem kleinen Wald an und als wir uns nach einen Campingspot umschauen, sehen wir, dass wir von Hanfpflanzen umgeben sind! Die wachsen hier einfach in der Wildnis und wir stellen kurzerhand unser Zelt mittendrinn auf!
Am nächsten Tag filmen wir einen “Tag auf unserer Fahrradweltreise” für unseren YouTube Channel – Dort kannst du nochmal ein schönes visuelles Bild von Kasachstan bekommen!
Abends kommen wir im Borovoe Nationalpark an und sind begeistert von der unglaublichen Landschaft. Berge, Wälder und ein riesiger See – So haben wir uns Kasachstan wirklich nicht vorgestellt!

Nach einem erfrischenden Bad fahren wir morgens weiter durch den Wald und zurück in Richtung Hauptstraße nach Astana, die Hauptstadt von Kasachstan, die mitten in der Steppe liegt. Es ist immer noch ein bisschen waldig und bergig und wir sind wirklich fasziniert von den unterschiedlichen Landschaften die wir hier zu sehen bekommen.

In einem kleinen Dorf halten wir abends wieder zum einkaufen an und Olga kommt mit einem Mann ins Gespräch.
Sie sagt, dass Kasachstan so schön sei und der Mann antwortet nur: Ja, die Menschen sind so freundlich!
Wir finden es unglaublich toll, wie der Mann über sein Land redet und müssen feststellen, dass wir von unseren Landsleuten vielleicht nicht in so hohen Tönen schwärmen würden. Wir können dem etwas “asiatisch” aussehenden Mann nicht sagen, dass er nach Deutschland kommen soll und alle Menschen super nett zu ihm sein werden, ihm essen schenken würden oder ihn nach Hause einladen würden… Das bedrückt und beschämt uns und wir nehmen uns vor, in Zukunft mit noch besserem Beispiel voran zu gehen!

Am nächsten Tag taucht langsam die Skyline von Astana auf. Eine unglaubliche Stadt, die auch das Dubai der Steppe genannt wird. Wir stellen unsere Fahrräder ab, verbringen ein paar Tage in der Stadt und besuchen unter anderem auch die Weltausstellung Expo, die grade hier stattfindet (Zur Expo gibt es hier einen gesonderten Bericht). Die Stadt beedindruckt uns sehr und zeigt, zu was wir Menschen alles in der Lage sind. Die modernen Gebäuden ragen hunderte von Meter hoch und werfen ihre Schatten auf die sauberen Straßen. Die jungen Menschen sprechen uns überall auf der Straße an und fragen uns wissbegierig über Deutschland und Europa aus. Eine echt spannende Stadt und ein kurzer Ausflug hierher lohnt sich definitiv!
In Richtung Süden verlassen wir die Stadt und fahren an mehreren Baustellen vorbei – Hier wird richtig viel und intensiv gebaut!

Weiter Richtung Süden

Die Landschaft ist wieder etwas hügeliger und wir fragen uns, ob wir jetzt womöglich die Steppe verlassen werden. An einem Rastplatz treffen wir wieder ein paar Kasachen und bekommen Wasser und Obst geschenkt. Wir stellen unser Zelt in den Hügeln auf und bewundern den atemberaubenden Sonnenuntergang. Etwa 100km südlich von Astana liegt die Stadt Karaganda. Ein russisches Sprichwort nimmt Bezug zu der entlegenen Lage der Stadt. Wenn man in Russland etwas sucht und es nicht findet, fragt man: “Wo, wo?” und bekommt als Antwort “In Karaganda!”

“Gde, Gde? W Karagande!”

Es wird langsam heißer und wir fahren durch mittlerweile wirklich einsame Landschaften, wo wir teilweise für 100km keine Häuser sehen. Mittags bauen wir uns aus unserer Zeltunterlage und unseren Fahrrädern einen Sonnenschutz und versuchen so der prallen Mittagshitze zu entgehen. Das Thermometer steigt dabei mittlerweile auf über 40°C. In einem kleinen Dorf an der Hauptstraße füllen wir unsere Wasservorräte nochmals auf und kaufen ein.

Wir wollen jetzt die Hauptstraße Richtung Westen verlassen und für ein paar Tage richtig in die Wildnis fahren. Wieder werden wir angehalten und müssen mit den lachenden Kasachen Bilder machen. Es wird uns Wasser gegeben und sogar Geld angeboten, was wir natürlich ablehnen. In einer schnellen, geschickten Handbewegung steckt einer der Männer 500 Tenge (Etwa 1,25€) in Michels Brusttasche – Widerrede zwecklos!

Wie es weitergeht erfährst du nächste Woche im zweiten Teil unseres Kasachstan Reiseberichtes!

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