Radreise in Russland #3 – Durch den Ural

Es ist Mitte Mai 2017 und wir fahren grade aus der Stadt Samara raus, wo wir ein paar Tage Pause gemacht haben. Die nächste Etappe unserer Radreise durch Russland führt uns jetzt erstmal weiter durch die langsam etwas bergiger werdenden Steppenlandschaften, dann durch das Uralgebirge in Olgas Heimatstadt Tscheljabinsk und schließlich weiter bis nach Kasachstan.

Wilder Verkehr bis nach Ufa

Die Straßen sind nach wie vor ziemlich grauenhaft und einfach viel zu klein für die Massen an Fahrzeugen. Insbesondere die vielen LKW machen uns zu schaffen! Es ist nicht leicht den ganzen Tag mit drängelnden und hupenden Fahrern die Straße zu teilen. Einmal fährt hinter uns ein LKW Fahrer, der uns trotz freier Spur nicht überholen will. Wir fahren natürlich ganz rechts, aber er hat nichts besseres zu tun, als 300m langsam hinter uns herzufahren und uns anzuhupen – Irgendwann gibt er glücklicherweise auf und fährt an uns vorbei…
So fahren wir durch die hügelige Landschaft, vorbei an kleinen Dörfern, etwas gestresst durch den wilden Verkehr, aber campen dafür Abends an schönen Seen oder in kleinen Wäldern neben der Straße.

Die letzten 70km bis Ufa ist die Straße wieder super und wir kommen Nachmittags bei unseren Warmshowers Hosts Artjom und Wladlena an. Wir erkunden gemeinsam die Stadt, tauschen uns dabei über unsere Erfahrungen aus und kochen abends ein leckeres Curry.

Am nächsten Morgen gehen wir mit Artjom zusammen zu seiner Arbeit bei Decathlon. Sein Chef wollte uns gerne kennenlernen und sich mit uns unterhalten. Ausgiebig erkunden wir den Laden mit viel Outdoorequipment, haben ein nettes Gespräch mit dem Boss, machen ein Foto und bekommen hinterher noch eine Dose Imprägnierspray für unser Zelt geschenkt – Super!

An den Rand des Uralgebirges

Jetzt geht es langsam Richtung Ural und am nächsten Abend kommen wir in der kleinen Stadt Ascha an. Wir wurden von Angela eingeladen bei ihr vorbeizuschauen. Sie ist eine Freundin von der Mutter von einer Freundin von Olga. So biegen wir irgendwann von der Hauptstraße ab und fahren ein paar Kilometer in Richtung Ascha, direkt an den Ausläufern des Urals. Als wir ankommen werden wir schon mit Tee erwartet und so erzählen wir erstmal von uns und unserer Reise.

Angela und ihr Mann Alexej haben noch eine leerstehende Wohnung, in die wir einquartiert werden. Alles richtig nett und abends gehen wir gemeinsam Pizza essen und Bier trinken. Währenddessen macht Angela noch einen kurzen Anruf und organisiert uns für Morgen früh ein Interview mit dem lokalen Radiosender.
Morgens frühstücken wir also schnell gemeinsam und fahren dann zum Radiosender „Auto Radio“. Dort warten die Jungs schon auf uns und wir sind insgesamt etwa eine Stunde live auf Sendung. Auch wenn Olga den Großteil des Redens übernommen hat, war es für uns beiden wieder eine tolle Erfahrung.
Danach machen wir uns wieder auf den Weg, und fahren mit unseren Fahrrädern weiter in Richtung Uralgebirge. Für etwa 30km geht es durch kleine Dörfer und auf kleinen, kaum befahrenen Straßen weiter, ehe wir dann wieder auf die Hauptstraße M5 müssen.

Durch das Uralgebirge in Olgas Heimatstadt

Sofort sind die LKW wieder da und das Hupkonzert beginnt von neuem. Es geht jetzt langsam bergauf und die Landschaften verwandeln sich nach und nach in immer dichtere Wälder. Gegen Abend sind wir dann schon gut ein paar Höhenmeter gefahren und wir schieben unsere Räder etwa 300m von der Straße weg auf einen kleinen Berg, von dem man eine herrliche Aussicht auf die umliegenden Wälder hat.

Teilweise, wenn für eine kurze zeit kein Verkehr da ist, ist es so unglaublich still und idyllisch hier, dass man die LKW fast schon vergisst. Solange bis sie einem im nächsten Moment mit wildem Gehupe und mörderischen Fahrmanövern zurück in die Realität holen. Der höchste Pass den wir überqueren müssen liegt auf 850m und kurz dahinter, an einem kleinen Rastplatz sehen wir dann das Schild: „Asien“.

Das Uralgebirge bildet die Grenze zwischen Europa und Asien und als wir nun so vor dem Schild stehen, sind wir doch schon ganz schön stolz, wie weit wir jetzt schon mit unsere Fahrrädern gefahren sind. Wir fahren durch die Wälder und leichten Nieselregen bergab und finden gegen Abend einen schönen Campingspot zwischen ein paar Bäumen.
Jetzt steht die vorerst letzte Etappe bis nach Tscheljabinsk, Olgas Heimatstadt an. Die etwa 70km fahren wir ziemlich zügig und natürlich mit viel Euphorie. Am 24. Mai 2017, genau ein Jahr nachdem wir in Hamburg losgefahren sind, kommen wir in Tscheljabinsk an.

Hier verbringen wir zunächst zwei Nächte bei der oben schon erwähnten Mutter von Olgas Freundin. Danach geht es zu Olgas Onkel und Tante, die nach wie vor hier wohnen. Zusätzlich bekommen wir Besuch von eine Freundin und von Olgas Mama. Michel lernt die Familie kennen, wir essen und trinken viel, machen Kulturprogramm, geben ein Fernsehinterview und einen Vortrag an der Uni, und schauen uns gemeinsam die Stadt an. Wir bleiben insgesamt 3 Wochen und haben eine wundervolle Zeit mit allen Menschen die wir hier getroffen haben – Vielen, vielen Dank nochmal!

Do swidanja Russland!

Die letzte Etappe unserer Radreise durch Russland führt uns nun bis an die Grenze zu Kasachstan und nimmt noch knapp 5 Tage in Anspruch. Der Verkehr bessert sich nach etwa 100km glücklicherweise und wir können etwas ungestresster weiterfahren. Wir treffen Hans aus den Niederlanden, der mit seinem Motorrad bis in die Mongolei fährt. Er ist 65 Jahre alt und hat eine wichtige Nachricht für uns:

“Du hörst nicht auf Dinge zu machen weil du alt wirst. Du wirst alt, weil du aufhörst Dinge zu machen!”

Der Verkehr wird zwar besser, aber es tauchen plötzlich riesige Moskito- und Fliegenschwärme auf, die uns penetrant umschwirren und gelegentlich zustechen oder beißen. Pause machen wir unter unserem Fliegengitter und versuchen einfach nur so schnell wie möglich weiterzufahren.
Die Wälder lösen sich langsam auf und es wird wieder steppiger. So fahren wir vorbei an vielen Sümpfen und durch karge Graslandschaften bis an die Grenze Kasachstans. Russland war für uns beide eine unglaublich tolle Erfahrung und wir freuen uns schon darauf nochmal wiederzukommen und soviel wie möglich vom Rest dieses unglaublich großen Landes zu sehen. Do swidanja Russland!

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Guten Morgen, ich habe Euren Blog gefunden und bin gerade ganz glücklich, weil ich so eine Tour auch plane, allerdings mit den Kids und dem Auto. Es ist total toll, dass ich bei euch schon mal schauen kann, wie das alles so läuft und wie die Infrastruktur ist. Bis wohin fahrt Ihr nun?
    Ich lese gleich noch ein Stück weiter. Erstmal liebe Grüße
    Andrea

Schreibe einen Kommentar