Spanien #2 – Unterwegs im Landesinneren

Rausgefahren

Unsere erste Nacht, die wir wieder zurück in Spanien sind  verbringen wir relativ nahe der Grenze auf einem verlassenen Rastplatz an dem wilde Weinreben stehen! Zum Frühstück essen wir eben diese und schwingen uns danach wieder auf unsere Räder. Unser nächstes großes Ziel ist jetzt Madrid, wo wir bereits eine Unterkunft über Warmshowers organisiert haben!

Durch die Wüste nach Madrid!

Wir fahren durch riesige Wälder mit Korkeichen und die Hitze ist nur Vormittags und Abends zu ertragen. Mittags steigt das Thermometer auf bis zu 45º C und wir machen ausgedehnte Siestas! Anders ist Spanien im August wohl auch nicht zu ertragen!

Es geht über einsame Landstraßen und noch einsamere Feldwege durch das heiße Extremadura. So heißt die Gegend hier im Westen von Spanien und der Name passt unserer Meinung nach perfekt! Abends campen wir am Straßenrand und genießen den wunderbaren Sternenhimmel. Am nächsten Tag fahren wir über 90 km und kaufen uns erschöpft ein Feierabend Bier in der Stadt Palencia. Kurz dahinter schlafen wir auf einer Wiese und verzichten aufgrund der Hitze auf unser Zelt.

Am nächsten Morgen merken wir irgendwann,  dass die ganze Wiese voll mit kleinen, sehr harten Dornen ist. Beim Rausfahren passiert es dann auch und Olgas Hinterreifen ist auf einmal platt. Also gut, nach knapp 5000 km und genau 100 Tagen auf der Straße,  musste das ja irgendwann mal passieren! Blöd ist nur, das nach und nach auch Olgas Vorderreifen und mein Hinterreifen Luft verlieren… Und um das Ganze noch zu toppen, explodiert auf einmal Olgas frisch geflickter Hinterreifen, nachdem wir die anderen 2 Reifen auch versorgt hatten. Also nochmal alles auseinander und einen neuen Schlauch eingesetzt 🙂 . Gegen Mittag sind wir dann mit allen 4 Platten durch und fahren erschöpft bis ins nächste Dorf. Abends schlafen wir an einer schönen Badestelle, die wir vorher noch ausgiebig nutzen!

Am nächsten Tag sind wir Mittags wieder in einem kleinen Dorf und die Dorfbewohner sind richtig witzig drauf! Sie trinken Unmengen an Bier und fangen irgendwann an wild zu trommeln und laut zu singen! Richtig coole Stimmung und wir klatschen fleißig mit! Als wir weiterfahren gibt uns einer der Männer noch ein paar Tipps was wir uns in dem Dorf und in der Gegend unbedingt anschauen müssen! Das befolgen wir auch und sind begeistert von der kleinen Altstadt in dem Dorf. Uralte, hohe Häuser und kleine Wasserkanäle dazwischen – Spanien wie vor 100 Jahren!

Abends bauen wir unser Nachtlager unter einer Brücke an einem kleinen, glasklaren Bach auf – wunderschön! Später kommt noch ein Schäfer vorbei und wir unterhalten uns mit ihm über unsere Reise. Er warnt uns vor den verrückten Autofahrern in Madrid! Diese Warnung speichern wir schmunzelnd ab 🙂 .

Morgens geht es nach einem gemütlichen Frühstück zurück auf die Straße und wir fahren zu einem Stausee ca. 100 km vor Madrid. Dieser scheint ein beliebtes Reiseziel zu sein, denn der Strand ist brechend voll! Wir kühlen uns kurz ab und fahren dann noch ca. 50 km weiter bis kurz vor Madrid. In Madrid reinzufahren ist ziemlich kompliziert und wir sind froh als wir nach einigen Stunden endlich in einem Café in der Nähe von unseren Warmshowers Host sitzen. Hier arbeiten wir ein wenig an Blog und YouTube und gegen Abend fahren wir dann zu Carlos und Inma. Wir bringen Kartoffeln und Sojajoghurt mit und kochen für alle leckere Pellkartoffeln mit Tzatziki und gebratenen Kichererbsen. Carlos und Inma sind gerade gestern von einer Fahrradtour durch Finnland und Russland wiedergekommen. Gespannt unterhalten wir uns mit den beiden über unsere Erfahrungen und haben einen tollen Abend.

Den nächsten Tag verbringen wir mit Sightseeing in Madrid, leckerem Essen und gegen Abend ein paar Bieren in einem netten Park. Später gegen 21 Uhr schreibt Carlos noch, dass er gerne für uns kochen möchte – an die späten Essenszeiten in Spanien müssen wir uns noch gewöhnen! Er bereitet eine leckere, vegane Variante des Klassikers “Tortilla Español” zu und dazu gibts ein weiteres Bier und gute Gespräche 🙂 .

Am nächsten Morgen machen wir uns dann in Ruhe daran unsere Sachen zusammen zu suchen und weiterzufahren. Der Versuch uns zwei neue Ketten zu kaufen scheitert leider daran, dass Single-Speed Ketten hier nicht üblich und somit nicht vorrätig sind. Jeder fährt hier Mountainbikes ohne Nabenschaltungen. Also fahren wir erstmal mit unseren alten Ketten weiter und gelangen gegen Nachmittag wieder in die Natur!

Auf zum Mittelmeer!

Es geht wieder ein wenig bergauf aber dafür fahren wir durch wunderschöne Landschaften! Abends sind wir wieder am Tejo und schlagen unser Nachtlager direkt am Wasser auf. Wir schwimmen in dem glasklaren Wasser und genießen den wundervollen Ausblick der uns gegeben ist. Dazu essen wir ein Kilo Paket Spaghetti mit Tomatensauce und Zwiebeln – herrlich!

Weiter geht es auf kleinen Landstraßen durch dichte Wälder und entlang von kleinen Bächen mit sprudelndem Wasser. Wir fahren viel bergab und langsam ändert sich die Landschaft wieder – das Mittelmeer kommt näher! Es tauchen wieder vermehrt Feigenbäume, Kaktusfeigen und Mandelbäume auf. Auch einen wilden Granatapfelbaum sehen wir und können uns einen leckeren Snack pflücken 🙂 . Wir fahren auch durch diverse Pfirsichbaum-Plantagen und sehen zu unserem Erstaunen, dass die Pfirsiche auf einigen Feldern einzeln in Wachspapiertüten eingepackt sind und so am Baum hängen – was für ein unglaublicher Aufwand! Wir fragen uns wie sich das lohnen kann, wenn diese Pfirsiche später für 2€ pro Kilo verkauft werden?

Es geht einen letzten langen Berg auf ca. 500 Höhenmeter hinauf und nach einer wunderbaren Abfahrt stehen wir vor dem Mittelmeer! Wir fahren durch die Stadt Tarragona und kaufen dort auch ein. Wir merken direkt, dass hier wieder viele Touristen sind, weil im Supermarkt an jeder Ecke Deutsch geredet wird. Kurz hinter der Stadt finden wir einen schönen Campingspot im Wald und kochen uns ein gemütliches Abendessen. Am nächsten Tag fahren wir Vormittags 55 km und gönnen uns dafür eine ausgiebige Pause am Strand von Sitges. Nachdem wir gebadet, gegessen und uns ordentlich ausgeruht haben, fahren wir ungefähr fünf Kilometer aus der Stadt raus und finden einen kleinen Aussichtspunkt wo wir unser Zelt aufstellen. Kurz darauf kommt ein Pärchen mit ihrem Tandem an und wir kommen natürlich sofort ins Gespräch. Alejandra und Enrique wollen mit ihrem Tandem von Valencia bis Florenz fahren! Bisher haben sie immer auf Campingplätzen geschlafen, aber heute wollen Sie nicht mehr unbedingt weiter fahren und beschließen daher neben uns zu Zelten. Wir haben einen tollen Abend mit den beiden und unterhalten uns über unsere Reisen. Am nächsten Morgen beschließen wir gemeinsam nach Barcelona reinzufahren. Eine schöne Fahrt, aber wir merken, dass man mit einem Tandem deutlich schneller fahren kann! Als wir ein bisschen erschöpft in Barcelona ankommen, spendieren die beiden noch Bier und Tapas und wir sitzen noch einige Zeit zusammen. Danach verabschieden wir uns mit der Abmachung, dass wir uns in Frankreich an der Küste wiedersehen. Die beiden wollen einen Tag länger in Barcelona bleiben als wir.

Nun greife ich einmal kurz vor und muss leider sagen, dass wir die beiden nicht wiedergesehen haben. Ihr Tandem ist ein paar Tage später, ca. 100 km hinter Barcelona, kaputt gegangen und war nicht zu reparieren. Sie haben dann von Barcelona aus einen Bus bis nach Florenz genommen um dort ein bisschen Urlaub zu machen. Wir finden es sehr schade als wir diese Nachricht von ihnen erhalten, aber wir versichern uns gegenseitig, dass wir uns irgendwann noch einmal wiedersehen werden!

Zurück nach Barcelona – Wir haben noch eine kleine Pause in einem Park gemacht, konnten endlich neue Ketten kaufen und sind dann in das Atelier der Goldschmiedin gefahren, bei der wir unsere Hochzeitsringe bestellt haben. Michels Ring ist ein wenig lose geworden und die Chance haben wir genutzt um einmal direkt bei ihr in Barcelona vorbeizuschauen. Sie hat die Ringe problemlos enger gemacht und uns dabei ihre Arbeit ein wenig erklärt – das war richtig cool! Nach einem letzten Foto und herzlicher Verabschiedung machen wir uns dann langsam auf den Weg zu unserem Warmshowers Host. Carlota und Jaume sind in unserem Alter und wir sind ihre ersten Warmshowers Gäste. Sie möchten selber auf einer Fahrradreise im Senegal Warmshowers nutzen und wollen daher ihr Profil mit ein paar Bewertungen aufbessern. Wir kochen Abends gemeinsam, trinken Bier und schnacken über ihre geplante Reise und unser Equipment – Top!

Am nächsten Tag stehen wir früh auf und machen uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Den ganzen Tag laufen wir quer durch die Stadt und sehen viele tolle Dinge. Gegen Abend laufen wir dann vom Strand aus zurück zum Appartement. Jaume hat ein Reisgericht gekocht und wir kaufen beim Kiosk um die Ecke noch Bier ein – wieder ein netter Abend. Morgens müssen die beiden früh raus und auch wir machen uns mit unseren Rädern wieder auf den Weg.

Zurück nach Frankreich!

Im Norden von Barcelona bleiben wir noch ein paar Stunden in einer Strandbar und arbeiten ein wenig. Danach fahren wir weiter Richtung Norden und schlagen nach ein paar Kilometern unser Zelt an einem halbwegs verlassenen FKK Strand auf. Den Morgen darauf baden wir entsprechend in dem herrlich warmen Mittelmeer ehe wir uns wieder auf die Räder schwingen 😉 . Wir fahren Richtung Lloret de Mar und machen dort Mittagspause und wechseln unsere Ketten. Ein bisschen tüdelig, weil vorher noch nie gemacht, aber schlussendlich kriegen wir es hin! Abends gibt’s als Belohnung ein kaltes Bier und einen großen Topf Nudeln!

Wir fahren jetzt direkt an der Küste entlang Richtung Frankreich. Hier ist es ganz schön bergig und in der Ferne tauchen langsam die Pyrenäen auf. Noch eine letzte Nacht in Spanien mit Blick aufs Mittelmeer und dann machen wir uns fertig, die letzten Kilometer bis Frankreich zu fahren. Es geht einige Kilometer bergauf und gegen Mittag erreichen wir auf ca. 400 m den Grenzübergang nach Frankreich. 55 Tage waren wir jetzt in Spanien und Portugal und können sagen, dass es ein richtig toller Sommer mit freundlichen Menschen, leckerem Essen, super Wetter und sehr interessanten neuen Eindrücken war! Trozdem sind die Baguettes in Frankreich einfach besser als in Spanien und somit freuen wir uns auch, wieder hier zu sein!

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Kleiner Merksatz für mich: Bereits daheim eine Ersatzkette mitnehmen! Mit knapp 4 Metern Länge dürfte ich noch mehr Probleme bekommen als ihr. 😀

    Danke für einen weiteren tollen Beitrag! Wenn ich so viel schreiben und erzählen wollte, würde ich gar nicht mehr zum Radln kommen. 😉

    • … auf unsrer tour von emden nach basel mit den liege-3-rädern hatten wir auch eine ersatzkette (2.5 normale fahrradkette) wie auch einen satz kettenblätter & eine kassette dabei …
      … doch im endefekt haben wir die ketten nicht gebraucht … trotz eines kettenrisses – den wir dank genug langer kette mit dem ausbau eines kettengliedes beheben konnten …

      jedoch was wir merkten, ist dass die bremskabel wie auch die schaltkabel & deren hüllen nach gut 1oookm nur noch harzig liefen … & wir die tauschen mussten … zuviel regen & sand in den niederlanden …
      … von daher empfehlen wir dir nebst genügend ketten ggf. kettenblätter & kassette (je nach länge der tour) … definitiv schalt- & bremskabel mitzunehmen, da man diese länge ja nicht an jeder ecke findet …
      schalt-& bremshüllen findest du noch eher in einem guten fahrradgeschäft …

      & als wir diesen sommer mit dem tandem unterwegs waren … von bayreuth nach basel … suchten wir tagelang verzweifelt einfache kettenblatt schrauben … & haben keine gefunden … zum schluss liessen wir uns welche (samt passendem werkzeug) von freunden aus der schweiz schicken …

      … von daher … egal mit was du unterwegs bist … sobald du auf was fährst dass von der norm abweicht … nehme all das an ersatzteilen mit, dass du nicht mal schnell an jeder ecke kriegst …
      … ist unser fazit …

      • Hallo!
        Schaltzüge haben wir dabei! Bremsen sind hydraulisch – da hoffen wir mal das die halten. Ansonsten werden die provisorisch durch bowtenzüge ersetzt.
        Beste Grüße!

        • heja michel & olga,

          das war eher auf den “liegeradmann” bezogen … denn bei liege-3-rädern wie auch bei tandems brauchst du längere schalt-& bremszüge … 😉

          sollte es – was wir nicht hoffen – doch mal bei euch “klemmen” & ihr einen tip/hilfe von einem versierten velomech braucht (welcher nicht nur 08/15 standartlösungen kennt) – dann dürft ihr euch ungeniert melden.

          wir wünschen euch weiterhin fröhliches, sonniges, facettenreiches “kette rechts” … 😀

          liebgruss

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