Georgien – Vom Schwarzen Meer bis in den Kaukasus

Georgien

Am 27.03.2017 überqueren wir die Grenze von der Türkei nach Georgien und befinden uns nun in dem 22. Land auf unserer Fahrradweltreise. Insgesamt werden wir 17 Tage hierbleiben und knapp 600km fahren, ehe wir im Kaukasus Gebirge an der Grenze zu Russland stehen werden.

Entlang des Schwarzen Meeres

Nach der Passkontrolle am Grenzübergang sind wir nun vor der letzten Hürde, der Gepäckkontrolle. Die Dame gibt Michel ein Zeichen sein gesamtes Gepäck auf das Vörderband des Scanners zu legen. Das ist immer etwas nervig, aber geduldig landet eine Tasche nach der anderen auf dem Band und wird danach wieder am Rad montiert.
Als Olga einen Moment später auch angerollt kommt und grade ihre Taschen ablegen will, wird sie von der Dame, mit den Worten “Welcome to Georgia, Miss” durchgewunken.

“Haha, da hast du aber Glück gehabt!” Olga streckt die Zunge raus und lacht.

Danach fahren wir unsere ersten Kilometer in Georgien, durch urwaldähnliche Landschaften entlang der Küste, bis in die Stadt Batumi.
Batumi ist eine boomende Stadt und an jeder Ecke sieht man moderne Appartements und futuristisch anmutende Bürokomplexe. Es wird sehr viel gebaut und an der langen Promenade kann man einige interessante Kunstwerke betrachten. Den krassen Kontrast dazu bilden die alten sowjetischen Reihenhäuser, die nach wie vor in der zweiten Reihe hinter den modernen Gebäuden stehen.
Über Airbnb mieten wir uns für 3 Nächte in einer kleinen Wohnung im Zenrum ein und erkunden die Stadt mit ihren netten Gassen, kleinen Märkten und der modernen Neustadt. Wie wir rausfinden ist Batumi eines der Lieblingsziele von wohlhabenden Iranern. Hier gibt es einen Touch westlichen Lifestyle, Alkohol, Prostituierte und Glücksspiel – Dinge die im Iran teilweise unter Todesstrafe verboten sind.
Wir machen von diesen Dienstleistungen eher weniger Gebrauch und versuchen dafür das ürsprünglichere Leben zu finden. Und werden auch fündig! Wir schlendern durch alte Märkte, landen in einem wilden Postamt, kaufen frisches Brot aus kleinen Bäckerein und essen in einem urigen Restaurant Chinkali (Gefüllte Teigtaschen) – Ein georgisches Nationalgericht.

Ein toller kurzer Aufenthalt und doch sind wir froh jetzt weiter zu fahren und in kleineren Dörfern das richtige, abenteuerliche Georgien zu erleben. Abends finden wir einen schönen Campingspot am Schwarzen Meer und genießen beim Sonnenuntergang einen letzten Ausblick über die Wellen.

Ins Landesinnere Richtung Osten

Am nächsten morgen packen wir unsere Sachen zusammen und fahren auf einer kleinen Straße weiter Richtung Osten. Überall sind grüne Wiesen und auf der Straße treffen wir nicht selten auf eine Herde Kühe, Pferde, Gänse oder ein paar grunzende Schweine. In den kleinen Dörfern die wir durchqueren winken uns die Leute freundlich zu und fragen auf russisch ob wir Hilfe brauchen und wie uns Georgien gefällt. Es ist sehr gut hier russisch sprechen zu können, da die alten Leute hier nur Georgisch und Russisch sprechen (Falls man jedoch auf jüngere Leute trifft, sprechen diese auch meist ein bisschen Englisch).

Aus der kleinen Straße wird leider schon bald eine Autobahn, die den Westen des Landes mit der Hauptstadt Tiflis verbindet. Es gibt aber einen breiten Seitenstreifen und sehr wenig Verkehr, so dass wir uns sicher fühlen hier mit unseren Rädern zu fahren.
Zwischendurch wird die Straße immer mal wieder klein und eng und führt in Kurvenreichen Abschnitten durch Berge und entlang von schönen Flüßen.
An einem Abend sind wir auf der Suche nach einen Campingspot und fahren langsam durch ein kleines Dorf. Als wir kurz Pause machen, kommt Boris auf uns zu und fragt uns wo wir den heute schlafen werden. Wir erklären unseren Plan und kurzerhand schlägt er uns vor, unser Zelt in seinem Gemüsegarten aufzuschlagen. Das Angebot nehmen wir gerne an und während wir uns noch bedanken, kommt ein zweiter Dorfbewohner und fragt was wir trinken wollen – Zur Auswahl stehen Wein oder Wodka. Ein paar Minuten später kommt er wieder, in der Hand eine 2l Colaflasche, gefüllt mit hausgemachtem Wein. Wir fragen uns, was passiert wäre wenn wir Wodka gesagt hätten…?

Es regnet leicht und wir befinden uns nun kurz vor Gori, der Geburtsstadt von Stalin. Ein Autofahrer hält an und fragt uns ob wir Hilfe brauchen. Sein Name ist Nikoloz und er hilft Touristen sich zurecht zu finden, kostenlos weil er seinem Land helfen möchte. Wir brauchen nichts und sind doch etwas verwundert über dieses Businessmodel. Auf der Visitenkarte die er uns gibt steht jedenfalls “Tourguide”.

Wir schauen uns das Stalin-Museeum inklusive dem Geburtshaus von Stalin an und fahren danach weiter durch einsame, weite Gras und Berglandschaften in Richtung Tiflis.

Tiflis, die Hauptstadt von Georgien, ist eine faszinierden Stadt.  Wir wohnen zuerst bei einem netten Warmshowers Host und danach noch für ein paar Tage in einem Hostel. Es gibt eine wunderschöne Altstadt, gute Restaurants, leckere Süßigkeiten, eine Seilbahn und Schwefelbäder. Uns gefällt die Stadt sehr gut und zufällig treffen wir einen anderen Radfahrer aus Südkorea, mit dem wir ein paar tolle Tage verbringen. Wir hatten geplant zwei Nächte hier zu bleiben und sind schlussendlich fünf Nächte geblieben, Tiflis war echt toll!

Die alte georgische Heerstraße

Von Tiflis geht es jetzt Richtung Norden auf die alte georgische Heerstraße, die einzige Verbindungsstraße zwischen Georgien und Russland.
Wir fahren gespannt die leicht befahren Landstraße entlang und begeben uns langsam aber sicher in den Kaukasus. Nervöse Blicke gehen in den Himmel, den der Wetterbericht sah für die nächsten Tage nicht sehr vielprechend aus. In leichtem Nieselregen finden wir ein altes Kriegsdenkmal, welches ein wenig Schutz vor dem Wetter bietet. Wir schlagen unser Zelt auf und kurz darauf fängt es an zu schneien…
Am nächsten Tag ist es diesig und auf der Straße liegt grauer Schneematsch. In der Stadt Passanauri kaufen wir ein paar Vorräte ein und kucken nochmals nach dem Wetter. Morgen soll auf dem Kreuzpass, der höchsten Stelle der Heerstraße, sehr schlechtes Wetter sein. Wir planen also, morgen nur ein bisschen zu fahren und übermorgen, bei vorausgesagtem Sonnenschein, den Kreuzpass auf 2379m zu erklimmen. Kurz hinter der Stadt finden wir an einem Fluß einen sehr idylischen Campingspot.

Morgens regnet es wieder und wir beschließen noch ein bisschen im Zelt zu warten, bis das Wetter besser wird. Irgendwann wird es tatsächlich etwas weniger und wir packen unsere Sachen zusammen und fahren langsam weiter bergauf. Nach etwa 15km wird aus dem Regen langsam Schnee und es wird ziemlich ungemütlich. Um Morgen beim Kreuzpass anzukommen, müssen wir aber dennoch weiterfahren. Eine kurze Teepause in einem verlassenen Kiosk wärmt uns etwas auf, ehe wir uns wieder in den Schneesturm wagen.
In einem Dorf wollen wir Wasser abfüllen und sehen schon bald das typische Rohr, was es hier in jedem Dorf gibt, aus dem frisches Quellwasser sprudelt. Aber irgendwie sieht dieses Rohr doch etwas anders aus als normalerweise… Aber Olga probiert das Wasser und füllt es großzügig in unseren Wassersack. Grade wollen wir weiterfahren als Michel plötzlich bemerkt, wie das Wasser langsam etwas trüber wird und dann nach und nach schaumig wird. Es dauert einen kurzen Moiment bis wir unseren Fehler realisieren und feststellen, dass wir grade Wasser an einem Abflussrohr abgezapft haben und am anderen Ende vermutlich grade ein schnauzbärtiger Georgier gemütlich am Duschen ist!

Wir stehen im Schneegestöber und brechen in schallendes Gelächter aus

Ein paar Meter weiter finden wir dann glücklicherweise die richtige Quelle und können unseren Wassersack auswaschen.
Danach geht es auf eine Serpentinenstraße und und bevor wir unser Zelt an einem Aussichtspunkt aufstellen, machen wir noch gut ein paar Höhenmeter durch den eisigen Schneeregen.

Morgens wachen wir auf und unser Zelt liegt unter einer 20cm hohen Schneeschicht begraben. Kaum verwunderlich, denn für die Nacht waren -8°C und weiterer Schneefall vorhergesagt. Ebenso war für heute aber auch strahlender Sonnenschein vorhergesagt und wir müssen unser Zelt nicht öffnen, um festzustellen das draußen die Sonne direkt auf unser Zelt scheint und den Schnee förmlich verdampfen lässt. Unsere Planung hat sich als perfekt erwiesen und mit neuen Kräften fahren wir in die Stadt Gudauri und von dort aus weiter Richtung Kreuzpass. Am Denkmal für “Georgisch-Sowjetische-Freundschaft” kurz vor dem Pass machen wir eine Pause und schauen uns das Denkmal an.
Als wir weiterfahren wollen, taucht auf einmal ein weiterer Radfahrer auf! George aus England, der ebenfalls auf dem Weg nach Russland ist!  Gemeinsam erklimmen wir die letzten Kilometer zum Pass und sind überwältigt von den Landschaften. Wir fahren bergab durch die Schneelandschaften und ein paar dunkle Tunnel, bis wir irgendwann in Stephansminda ankommen. Die letzte Stadt vor Russland. Mit Blick auf den Kasbek, dem höchsten Berg Georgiens, schlagen wir unser letztes Nachtlager in einem kleinen Wald, etwa 10km vor der Grenze auf. Wir machen ein Lagerfeuer, kochen gemeinsam und trinken ein wohlverdientes Bier! Am nächsten Morgen geht es dann bergab zum Grenzübergang nach Russland…

Georgien und insbesondere auch die georgische Heerstraße waren echt genial zum Radfahren. Tolle Landschaften, nette Menschen, gutes (veganes) Essen und überall Wein! Wir haben unsere Zeit hier sehr genossen und können es nur jedem empfehlen dieses wunderschöne Land auch mal zu erkunden. Warst du schon mal in Georgien oder hast du noch weitere Fragen zu unserer Tour? Wir freuen uns über alle Kommentare!
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