Radreise durch Kirgistan – Teil 1

Am 14.07.2017 fahren wir mit unseren Rädern über die Grenze von Kasachstan nach Kirgistan. Die Menschen in der kleinen Grenzstadt grüßen uns freundlich und heißen uns auf russisch Willkommen!
„Dobro Paschalowat!“ – Herzlich Willkommen! Unsere Radreise durch Kirgistan beginnt!

Kirgistan
Unsere Route durch Kirgistan

Auf nach Bishkek!

Wir befinden uns direkt vor den Toren von Bischkek, der Hauptstadt von Kirgistan. Doch wir wollen erst morgen dort hinfahren und für heute Nacht noch einen Platz zum campen finden. Als wir unter einem Baum eine kurze Pause machen, kommen ein paar Jungs auf uns zu, die uns ausfragen wo wir herkommen und uns dann ein Getränk aus Hirse, Salz und Wasser anbieten – Schmeckt, wie man sich denken kann, nach flüssigem Brotteig und somit etwas gewöhnungsbedürftig.
Danach kommt ein älterer Herr vorbei, der uns auf deutsch anspricht. Er warnt uns vor ein paar Dörfern in der Gegend durch die wir nicht fahren sollten. Dort gäbe es wohl „Komische Leute und Gefängnisse“. Wir bedanken uns, hatten aber sowieso nicht vor dort langzufahren. Wir fahren auf kleinen Feldwegen weiter und halten die Augen auf nach einem passenden Platz zum Zelten. Als wir etwa 15km vor Bischkek sind, finden wir einen schönen Platz auf einer Wiese.

Kirgistan
Zelten in Kirgistan

Am nächsten Morgen fahren wie in die Hauptstadt, wo wir uns in einem netten Appartement einquartieren. Bischkek ist eine sehr belebte Stadt mit viel Grün, Bäumen, Menschen, kleinen Wasserkanälen und natürlich interessanten Kontrasten zwischen alten Sowjietbauten und moderner Architektur. Wir genießen die Stadt sehr, haben aber auch etwas zu erledigen. Wir müssen uns hier um unsere Visa für Iran und Usbekistan kümmern. Nach 5 Tagen haben wir diese Hürde erfolgreich gemeistert und wir können nun endlich die grünen Landschaften von Kirgistan erkunden.

Kirgistan
In Bishkek angekommen

In die Natur Kirgistans

Richtung Osten verlassen wir die Stadt und fahren auf der Hauptstraße zum Yssyk-Kul, dem größten See von Kirgistan. Am nächsten Abend kommen wir dort an und fahren auf einem kleinen Schleichweg bis an das Ufer des Sees. Da wir vom heutigen Tag erschöpft sind, ziehen wir uns nach dem Abendessen direkt in unser Zelt zurück. Morgens beschließen wir spontan noch etwas länger am See zu bleiben und so machen wir uns einen gemütlichen Tag mit Essen, Lesen und Schwimmen!

 

Gegen 16 Uhr fahren wir dann aber doch noch ein Stückchen weiter und etwa 30km später schlagen wir unser Zelt in steinigen Gebirgslandschaften auf – Wow, was für ein Kontrast!

Von der Steinwüste ins Grüne

Doch schon am nächsten Tag sollen wir noch mehr staunen, denn nur ein paar Kilometer weiter verwandelt sich die Steinwüste und es wird langsam alles grün!
Nach ein paar Stunden auf dem Rad machen wir dann erstmal Mittagspause und lassen uns eine köstliche kirgisische Wassermelone schmecken. Auf dem Weg haben wir heute schon eine große Gruppe Radfahrer aus Polen getroffen und während wir im Schatten Pause machen, kommen nochmal fünf Radfahrer aus Russland vorbei. Wir unterhalten uns kurz und tauschen uns aus. Sie kommen aus Richtung Osh, genau da wo wir hinwollen und wir freuen uns, dass sie bei ihren Erzählungen so sehr ins Schwärmen kommen.

20.000km Radreise!

Später fahren wir entlang eines reißenden Flusses bergauf und suchen uns an einer etwas flacheren Stelle einen Campingspot direkt am Wasser. Zum Nachtisch sammeln wir ein paar Sanddorn Beeren von den Sträuchern die hier überall wachsen.
Am nächsten Tag, den 25.07 sind wir genau 20.000km gefahren, seit wir vor gut einem Jahr in Deutschland losgefahren sind. So viele Erlebnisse und Eindrücke die wir seit dem gesammelt haben – Wir sind glücklich.

 

Ein paar Kilometer nach unserem „Jubiläum“ verlassen wir die Hauptstraße und fahren entlang einer Schotterpiste weiter in die Berge.
Am späten Nachmittag treffen wir Ard aus den Niederlanden, der uns mit seinem restaurierten und umgebauten Land Rover überholt. Er lädt uns prompt zu einem Kaffee ein und wir unterhalten uns über unsere geplanten Routen. Er ist fleißig am Fotografieren und hat ein paar tolle Bilder auf seiner Seite www.Gerdijk-photo.com!

 

Grüne Berge und der Son-Kul!

Gegen Abend kommen wir an einen Bach, der durch saftige, grüne Wiesen fließt und an dem wir unser Zelt aufschlagen. Morgens steht dann die erste richtige Bergetappe in Kirgistan an – Ein Pass auf 3300m Höhe will bezwungen werden. Nach knapp 6 Stunden, 15km, 800 Höhenmetern und einem kräftigen Regenschauer kommen wir oben an und sind super glücklich. Die Aussichten sind unglaublich. Die Berge leuchten förmlich in dem saftigen Grün, was sich mit den bunten Farben von unterschiedlichsten Blumen vermischt.

 

Jetzt geht es ein kleines Stückchen bergab und nach einer Kurve sehen wir vor uns in dem Tal schon den Gebirgssee Son-Kul, der unser heutiges Ziel ist. Wir fahren vorbei an Jurten, die die Einheimischen hier im Sommer aufbauen, damit sie ihre Pferde und Schafe hier oben grasen lassen können. Um den gesamten See spannt sich eine große Grünfläche, die dann langsam in eine Bergkette übergeht und so den See als eine Art Trichter erscheinen lässt. Der Weg ist eine holprige Schotterpiste, aber dennoch kommen wir ganz gut voran und Abends sind wir am Südufer des Sees. Hier schlagen wir unser Zelt auf. Während wir das tun, kommt ein etwas betrunkener Kirgise auf seinem Pferd vorbei und fragt uns ob wir Alkohol dabei haben. Als wir dies verneinen, fängt er an uns seine Lebensgeschichte zu erzählen…

 

Morgens ist er zumindest wieder verschwunden und wir drehen voller Energie einen „Tag auf unserer Fahrradweltreise“ für unseren YouTube Channel. Ein toller Tag mit wunderschönen grünen Landschaften, Schafen & Pferden, einem weiteren Pass und wieder einem Campingplatz an einem schönen Bach.

Endlich wieder Schotterpiste

Am nächsten Morgen geht es noch weiter bergab und nachdem wir im etwa 20km entfernten Dorf unsere Vorräte aufgestockt haben, fahren wir auf einen kleinen Pfad der in Richtung Hauptstraße führt. Irgendwie war dieser wilde Pfad auf unserer Karte als große Straße markiert, und wir sind ziemlich glücklich, als wir nach etwa 5km auf der breiteren Schotterpiste ankommen. Dort treffen wir direkt ein paar Kirgisen und fragen was denn mit dieser Straße los sei. Sie antworten nur, dass dort eigentlich mal eine große Straße gebaut werden sollte, aber im Moment ist sie nur für Pferde. „Seid ihr dort etwa mit dem Rad gefahren?“,
fragt uns einer und wir können nur ein Lachen als Antwort geben, in das sie fröhlich einstimmen.

 

Langsam geht es dann wieder bergauf und am Fuße des nächsten Passes schlagen wir das Nachtlager auf. Mittlerweile haben wir uns an die langen Aufstiege gewöhnt und so fahren wir Serpentine für Serpentine hoch und kommen Nachmittags am Pass an. Dort werden wir von ein paar Kids erwartet, die freudig mit uns ein Foto machen wollen. Als Dank dafür werden wir dann von den Eltern in ihre Hütte eingeladen, wo es Tee und was zu Essen gibt. Außerdem ist die ganze Familie mit ungefähr 30 Leuten da!

Hoch und wieder runter

Nach einer langen Bergabfahrt kommen wir dann am nächsten Tag in dem größeren Dorf Kozaman an. Hier kaufen wir ein Wassereis und ein paar weitere Lebensmittel ein und begrüßen dabei die eifrig winkenden und „Hello, Hello, Hello!“ rufenden Kids. Hinter dem Dorf treffen wir wieder eine Gruppe Radfahrer die uns entgegenkommen und wir tauschen uns über die jeweiligen Streckenverhältnisse aus.

Kirgistan
Radreisende

Einen Kilometer später bauen wir unser Zelt neben der Straße auf und lassen uns ein leckeres Abendessen mit Buchweizen und Gemüse schmecken. Der nächste Pass liegt an, es geht 38km auf Schotterpisten bergauf, bis wir nach 1000 Höhenmetern mal wieder auf dem „Dach der Welt“ stehen und einfach nur glücklich und stolz auf uns sind. Bei der Abfahrt wird es mit jedem Meter den wir runterfahren wärmer und wärmer und bald machen wir eine Pause um uns in dem Bach, an dem der Weg langführt, abzukühlen.

 

Wie es in Kirgistan weitergeht, erfährst du schon bald im nächsten Teil! Bis dahin, schreibe uns gerne deine weiteren Fragen und Meinungen zu Kirgistan in die Kommentare! Wir sind bei der Auswahl der Bilder und beim Zurückdenken an unserer Erlebnisse hier wirklich wieder ins Staunen gekommen. In Kirgistan gibt es echt abgefahrene, superschöne Landschaften und richtig tolle Menschen!


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