Mit dem Fahrrad in Tadschikistan – Vom Wakhan Tal ins Fann Gebirge

Fahrrad Wakhan

Unser Zelt steht irgendwo in der Wildnis im Süden von Tadschikistan. In der Ferne sehen wir die Berge Afghanistans und vor uns liegt der Zorkul Nationalpark.
Obwohl es erst Ende August ist, sind unsere Wasserflaschen über Nacht eingefroren. Wir befinden uns auf etwa 4000 Höhenmetern und die Sonne scheint uns kräftig ins Gesicht, als wir uns wieder auf unsere Fahrräder setzen und weiterfahren.

Der Zorkul Nationalpark

In dem langgezogenen Tal vor uns können wir schon den Zorkul See sehen, nachdem dieser Nationalpark benannt ist. Auf der Schotterpiste steht vor uns eine Herde Yaks, ansonsten sind wir komplett alleine. Eine Nacht verbringen wir mit Ausblick auf den See, dann fahren wir über die sandige Piste weiter in Richtung Kargush, wo wir wieder auf die Hauptstraße kommen werden. Dort befindet sich auch ein Militärposten, an dem wir jetzt die Permit für den Nationalpark zeigen müssen, die wir uns vor einer guten Woche in Murghab organisiert haben.

Die Ganze Zeit geht es an dem Fluss Pamir entlang, der die Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan bildet und der ebenso den Anfang des Wakhan Tales markiert.

Das Wakhan Tal

Die Straße ist weiterhin sehr schlecht, aber dafür sind wir jetzt wieder ein bisschen in der Zivilisation angekommen. Es kommen uns vermehrt Autos und LKW entgegen und auch den ein oder anderen Radfahrer treffen wir! Abends kommen wir dann bis in das Dorf Langar, welches uns mit seinen riesigen Bäumen und grünen Büschen überrascht. So etwas haben wir seit Kirgistan nicht mehr gesehen! Die letzten Wochen war alles nur braun und wüstig – Bäume gab es auf 4000 Höhenmetern nicht! Aber jetzt fahren wir langsam bergab und das viele Wasser hier sorgt für die grünen Oasen im ganzen Wakhan Tal, an dem sich viele kleine Dörfer gebildet haben. In den Dörfern treffen wir vor allem viele Kinder, die uns jedes Mal kreischend und überglücklich begrüßen. Wir freuen uns den Kids ein lächeln ins Gesicht zu zaubern. So fahren wir fasziniert und fröhlich durch die kleinen Dörfer, die schönen Berglandschaften und immer entlang des Grenzflusses.

An einem Tag treffen wir auf Mascha und Olivier, die beide in der Hauptstadt Duschanbe leben. Auch sie sind mit ihren Fahrrädern unterwegs, und machen eine kleine Tour über den Pamir Highway und das Wakhan Tal. Sie laden uns zu sich nach Hause in Duschanbe ein und wir nehmen die Einladung dankend an.

Nach ein paar Tagen Schotterpiste wird die Straße langsam wieder besser und als wir uns kurz vor Chorugh befinden, ist die Straße wieder vollständig geteert.

Pause in Chorugh

In Chorugh quartieren wir uns in der Pamir Lodge ein und sind fasziniert von diesem Hostel. Mindestens 20 weitere Radfahrer aus der ganzen Welt sind ebenfalls hier und tauschen sich über Routen, Qualität der Straßen und Wasserquellen in der Wildnis aus. Wir fahren ein bisschen gegen den Strom, da die meisten Leute von Duschanbe aus losfahren. Da wir also schon einen Großteil des Pamirs gesehen haben, können wir einigen Leuten gute Tipps über unsere Route durch die Wildnis geben.

Unser Zelt haben wir auf einer überdachten Veranda aufgestellt und zahlen dafür 5$ pro Nacht. Der Ort gefällt uns so gut, dass wir noch eine Nacht länger bleiben und uns ein bisschen von den anstrengenden Tagen in der Wildnis ausruhen.

Zurück auf dem Pamir Highway

Am nächsten Tag geht es dann aber weiter und wir befinden uns jetzt wieder auf der M41 – Dem Pamir Highway! Es herrscht deutlich mehr Verkehr und es gibt viele Dörfer und überall Menschen. Ein großer Kontrast zu unserer bisherigen Route durch Tadschikistan, aber wir genießen es auch wieder ein bisschen mehr Zivilisation zu haben. Natürlich treffen wir auch wieder viele Radfahrer und fast immer halten wir für ein kurzes Gespräch an. Echt spannend zu sehen, wie sich Tadschikistan im Sommer zum absoluten Hotspot für Radreisende entwickelt!

Mittags rasiert Michel sich den Bart ab. Wir wollen bald nach Turkmenistan und in dem Land sind Bärte nicht gerne gesehen. Für unseren Visumsantrag wollen wir daher ein Passfoto ohne Bart haben. Danach wird die Straße wieder schlechter und wir staunen über die riesigen LKW, die es irgendwie schaffen heil über diese Pisten zu fahren. In einem Dorf kaufen wir uns 1kg getrocknete Maulbeeren und essen sie in unserer Mittagspause. So lecker und so süß und dann auch noch so günstig – Wir haben etwa 1,70€ für das ganze Kilo bezahlt!

Abends holt John aus den USA uns mit seinem Rad ein. Er fährt in die gleiche Richtung und so schlagen wir gemeinsam unsere Zelte auf und kochen uns ein schönes Abendessen. Wir tauschen uns über unsere Erlebnisse aus und planen für Morgen gemeinsam zu dem Grenzmarkt in Qalai-Khumb zu fahren.

Als wir dort am nächsten Morgen ankommen, müssen wir jedoch leider feststellen, dass der Markt heute wegen eines Feiertages geschlossen ist. So fahren wir noch ein Stück weiter bis ins Stadtzentrum und dort trennen sich unsere Wege wieder. Wir wollen von hier aus die Nordroute nach Duschanbe nehmen, währen John die südliche Straße wählt. Bevor es weitergeht treffen wir uns aber noch mit Lars und Aileen, die uns über Facebook kontaktiert haben. Vor ein paar Tagen ist Michels Halterung von seiner Ortliebtasche kaputt gegangen und die beiden haben das passende Ersatzteil dabei! Wir treffen die beiden und machen eine gemütliche Pause. Sie fahren in die entgegengesetzte Richtung und so können wir ihnen auch ein paar Tipps geben. Danke nochmal für eure Unterstützung!

Die Nordroute nach Duschanbe

Die Nordroute nach Duschanbe ist zwar etwas bergiger, aber dafür sollen die Landschaften schöner sein und der Verkehr deutlich geringer als auf der Südroute.

Wir können zwar keinen Vergleich ziehen, aber die Landschaften sind wirklich wieder unglaublich schön. Auch gibt es kaum Verkehr und wir finden wieder superschöne Campingspots.

Als wir jedoch an einem Tag auf der schlechten Schotterpiste langsam bergab fahren, stürzt Michel. Er fährt einhändig, um mit der anderen Hand die Actioncam zu halten und Olga zu filmen. Das Vorderrad verkeilt sich an einem größeren Stein, der Lenker schlägt um und Michel fliegt vorne über den Lenker. Eine kleine Wunde am Schienbein und am Fuß, sonst geht es ihm glücklicherweise gut. Leider stürzte er jedoch direkt neben einem Fluss und als er beim Sturz die Kamera loslässt, fliegt diese mitsamt unserem Videomaterial ins Wasser. In dem reißenden Fluss finden wir die Kamera natürlich nicht wieder und sind dementsprechend ziemlich bedrückt. Bald schon realisieren wir aber wie viel Glück wir hatten, dass die Kamera und nicht Michel in den reißenden Fluss gestürzt ist!

Glücklicherweise konnten wir das Videomaterial von unserer anderen Kamera noch verwenden und drei supercoole Videos zusammenscheiden! Das erste Video von unserer Radreise in Tadschikistan wird übrigens am 14. April 2019 auf unserem YouTube Kanal veröffentlicht!

Die Hauptstadt Duschanbe

Da Michel sich zusätzlich zu dem Sturz auch noch eine Lebensmittelvergiftung einfängt, beschließen wir die letzten 150km nach Duschanbe zu trampen. Dort wohnen wir zunächst in einem Hostel damit Michel sich in Ruhe auskurieren kann. Nach ein paar Tagen ziehen wir dann noch für zwei Nächte bei Mascha und Olivier ein, dem Paar, welches wir im Wakhan Tal getroffen haben.

Wir erkunden die Stadt, füllen unsere Lebensmittelvorräte auf, treffen John aus den USA nochmal und beantragen unser Turkmenistan Visum. Bei Mascha & Olivier kochen wir abends gemeinsam leckeres Essen und tauschen uns bei gutem Wein über unsere Reisen aus.

Eine sehr entspannte Zeit und eine Pause die wirklich nötig tat, aber nach ein paar Tagen zieht es uns dann doch wieder auf die Räder. Unser nächstes Ziel ist jetzt das Fanngebirge im Nordwesten des Landes und danach der Grenzübergang nach Usbekistan.

Das Fann Gebirge im Nordwesten Tadschikistans

Es geht schon ziemlich bald wieder gut bergauf, aber dafür sind die Straßen hier deutlich besser. So kommen wir relativ schnell voran. Die Pässe wurden mittlerweile durch Tunnel ersetzt, aber da diese weder Lüftung noch Beleuchtung haben, beschließen wir zu trampen. So werden wir von zwei LKW durch zwei Tunnel mitgenommen und können danach gemütlich bergab fahren.

Wir würden das übrigens jedem empfehlen, da die Luft in den teilweise 3km langen Tunneln extrem schlecht ist und es unserer Meinung nach lebensgefährlich wäre dort mit dem Rad zu fahren.

Die Straße ist weiterhin super und bald kommen wir in Chudschand, der zweitgrößten Stadt von Tadschikistan an. Wir machen in einem Teehaus eine lange Mittagspause, trinken Tee, essen Melone und liegen dabei auf den weichen und sehr gemütlichen Kissen.

Die Landschaft hat sich jetzt wieder drastisch geändert. Wir haben die Berge hinter uns gelassen und vor uns liegt nun eine weite, steppenähnliche Ebene. Das Flachland von Usbekistan kündigt sich an und gut einen Tag später stehen wir vor dem Grenzübergang. Jetzt geht es nach Usbekistan!

Tadschikistan war für uns definitiv eines der Highlights unserer ganzen Reise. Ein wundervolles Land, mit tollen Menschen, unglaublicher Wildnis und wunderschönen Landschaften. Auch war es sehr spannend so viele gleichgesinnte Radreisende zu treffen und sich austauschen zu können. Das hatten wir in so einem Ausmaß bisher nicht und auch nach Tadschikistan haben wir bis jetzt nie wieder so viele andere Radreisende getroffen. Das mag dem ein oder anderen vielleicht missfallen, wir haben es jedoch sehr genossen! Dadurch hat sich für uns ein ganz toller Mix zwischen Abenteuer, neuen Freunden und der lokalen Kultur ergeben.


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