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Radfahren für Fortgeschrittene – Kroatien

Kroatien

Nach unserem Artikel “Radfahren für Anfänger – Die Niederlande” sind wir in Kroatien nun auf der nächsten Schwierigkeitsstufe angekommen! Als wir am 25.10.2016 in leichtem Nieselregen die Grenze überqueren, ahnen wir davon allerdings noch nichts…

Das einzig Neue ist zunächst, dass wir an der Grenze unseren Pass vorzeigen müssen und ein paar Fragen zu unserem Reiseverlauf gestellt bekommen. Als der gute Herr erfährt, dass wir mit dem Rad aus Deutschland kommen, erklärt er uns für verrückt und winkt uns lachend weiter! 🙂

Wieder zurück ans Mittelmeer!

Kroatien stellt sich zunächst mit schönen Wäldern und leicht vernebelten Bergen vor. Uns gefällt das ganz gut und wir fahren gemütlich, über etwas bergige Straßen, Richtung Rijeka. In Slowenien hatte unser Warmshowers Host Matjaz uns noch gesagt, dass die Stadt nicht sehr schön sei und wir lieber ein Stückchen später an die Mittelmeerküste stoßen sollten. So planen wir unsere Route dann auch und am Abend stellen wir unser Zelt ca. 10 km vor der Küste, an einem kleinen Feldweg auf. Beim Wildcampen sind wir nach wie vor immer sehr vorsichtig und möchten es im Idealfall verhindern, von anderen Menschen gesehen zu werden. Als wir alles fertig aufgebaut haben, kommt ein Pärchen mit Hund den Feldweg entlang spaziert und dreht ca. 50 m vor unserem Zelt wort- und grußlos um. Sowas macht uns dann doch immer ein wenig nervös und wir hoffen, dass wir gleich nicht Besuch von der Hand des Gesetzes bekommen. Wir verbringen den Abend jedoch glücklicherweise alleine und schlafen irgendwann gemütlich ein. Am nächsten Tag geht’s nach einem kräftigen Frühstück dann ans Mittelmeer!

Kroatien

Am Mittelmeer!

Entlang der Mittelmeerküste von Kroatien

Wow diese wunderschönen Steilküsten! Von jetzt an geht unser Weg einige 100 km entlang dieser einzigartigen Küste. Wir fahren entlang der E65 Richtung Süden und es lässt sich wunderbar fahren. Dank der Jahreszeit sind kaum Touristen unterwegs und so herrscht nicht sehr viel Verkehr. Die Einhemischen Grüßen uns freundlich und die LKW Fahrer halten immer einen ordentlichen Abstand zu uns ein – so bringt’s Spaß!

Mittags finden wir einen Bankautomaten und heben uns ein paar kroatische Kuna ab – das erste Mal eine andere Währung auf unserer Reise! Ein Stückchen weiter kaufen wir ein und sind erfreut über die niedrigen Preise im Supermarkt.

Gegen Abend halten wir Ausschau nach einem geeigneten Campingspot. Das stellt sich an den Steilküsten als gar nicht so leicht heraus, aber schlussendlich finden wir an einer kleinen Parkbucht ein paar Büsche, hinter denen wir unser Zelt aufschlagen können. Mit Blick auf den Sonnenuntergang kochen wir uns ein Reisgericht und legen uns danach ins Zelt. Kaum liegen wir in unseren Schlafsäcken, merken wir, wie der Wind auffrischt. Die Böen werden immer heftiger und die ganze Nacht lang flattert unser Zelt bedrohlich hin und her. Glücklicherweise haben wir es mit den Heringen ordentlich befestigen können!

Kroetien

Ruhe vor dem Sturm!

Radfahren für Fortgeschrittene!

Nach einer fast schlaflosen Nacht, schauen wir morgens um 6 Uhr aus dem Zelt und merken, dass es wohl erstmal so stürmig bleiben wird. In den heftigen Böen bauen wir unser Zelt ab und schaffen es irgendwie alles auf unseren Rädern zu verstauen. Dabei stellen wir fest, das nachts eins unserer Sitzkissen weggeflogen ist – ein ärgerlicher Verlust!

Ohne Frühstück geht es weiter und als wir unsere Fahrräder zurück auf die Straße schieben, werden wir schon ordentlich durchgepustet. Wir steigen auf unsere Räder und einer der bisher schwierigsten Tage soll beginnen…

Alle Sinne sind angespannt! Wir fühlen den Wind über unser Gesicht peitschen. Wir sehen, wie sich die Bäume 50, 30 und 10 m vor uns bewegen und wie wir zu reagieren haben! Wir hören wie eine Böe auf uns zukommt, sodass wir gerade noch von unseren Rädern absteigen können, um uns mit aller Kraft gegen sie zu lehnen um nicht umzufallen. Der Geschmack auf unserer Zunge verrät uns, ob der Wind von der See oder aus den Wäldern kommt! Alle Sinne arbeiten zusammen und unser ganzer Körper ist bis in die letzte Sehne angespannt!

So fahren wir, mal mit Gegenwind, mal mit Rückenwind entlang der Küste und sind glücklich, als wir eine kleine Bushaltestelle finden, in der wir uns erstmal ein Frühstück zubereiten. Nach einer guten Stunde lässt der Wind immer noch nicht nach und wir beschließen weiter zu kämpfen!

Nach ein paar Kilometern stellt sich der Wind so ein, das wir fast nur Rückenwind haben. Trotzdem ist es immer noch sehr anstrengend, da die Böen weiterhin unberechenbar sind!

Kroatien

Der Wind beruhigt sich zwischendurch…

Irgendwann sehen wir auf der anderen Straßenseite einen Radfahrer sitzen und wir halten an, um zu sehen ob alles okay ist. Olga bleibt auf ihrem Rad und Michel stellt seins sicher gegen die Leitplanke. Beim rübergehen kommt eine heftige Böe und Michel muss sich mit aller Kraft gegenlehnen um nicht zu stürzen. Der Radfahrer ist ein älterer Herr aus Italien und er kommt aufgrund des Windes weder vor noch zurück. Er sitzt, seine Schirmmütze mit beiden Händen festhaltend am Straßenrand und hofft auf Besserung für seine Tour von Kroatien zurück nach Italien. Wir fahren in die andere Richtung und können ihm leider auch nicht weiterhelfen. Nach einem kurzen Gespräch meint er aber, das alles Gut sei und wir weiterfahren sollen.

Jetzt geht es ein gutes Stück bergab und der Wind lässt ein wenig nach. Unser eigentlicher Plan, mit einer Fähre auf eine Insel nördlich von Zadar zu fahren, wird trotzdem durch den anhaltenden Wind zerstört. Bei diesem Wetter fahren keine Fähren, wird uns von einem Autofahrer gesagt. Also fahren wir weiter Entlang der E65 und müssen dadurch ca. 30 km mehr bis nach Zadar zurücklegen.

Es lässt sich mittlerweile einigermaßen fahren – haben wir uns an den Wind gewöhnt oder lässt er nach? Wir wissen es nicht, aber jetzt fangen wir langsam an nach einem geeigneten Schlafplatz zu suchen. Wir finden ein altes Haus, kommen aber leider nicht rein. Weiter radeln! Nach 300 Metern kommt von vorne ein hoher Campingbus, der auch ordentlich im Wind schaukelt. Er fährt Rechts ran und ein junges italienisches Paar steigt aus und winkt uns zu. Die beiden haben uns vor ca. 3 km gesehen und haben seitdem die ganze Zeit an uns gedacht. Schlussendlich sind sie umgedreht um uns zu helfen! Erschöpft und dankend nehmen wir ihre Hilfe an. Wir packen unsere Taschen und Räder in ihren Van und fahren Richtung Süden…

Ungefähr 30 km weiter fahren wir auf einen windgeschützten Rastplatz. Zu viert nehmen wir hier ein kleines Abendessen ein und unterhalten uns sehr nett! Die beiden machen einen Kurztrip nach Kroatien und wollen heute noch Bekannte in Zadar besuchen. Dort wollen wir auch hin, beschliessen aber, dass wir morgen wieder mit dem Rad fahren wollen! Also packen wir unsere Sachen aus dem Van, bedanken uns herzlichst und schlagen im Schutze einer Mauer unser Zelt auf. Die beiden fahren weiter und wir schlafen erschöpft ein. Der Wind ruckelt noch ein wenig am Zelt, aber irgendwann in der Nacht zieht der Sturm weiter und in der Morgendämmerung wachen wir zu Vogelgezwitscher und beruhigender Windstille auf.

In die Altstadt von Zadar

Nach einem gemütlichen Frühstück in herrlichem Sonnenschein, steigen wir wieder auf unsere Räder und fahren entlang der schönen Küstenlandschaft Richtung Zadar. Es geht viel bergab und wir haben leichten Rückenwind. Motiviert durch diese guten Zustände, schaffen wir ordentlich Kilometer und beschliessen, dass wir die 60 Kilometer bis Zadar durchfahren. Gegen Mittag kommen wir an und schauen uns die schöne Altstadt an. Eine Gruppe Asiaten kommt an uns vorbei und wir stehen geduldig Model, während tausende Fotos von uns gemacht werden 😀 . Gegen Abend fahren wir noch knapp 10 km aus der Stadt raus und finden an einem kleinen Wanderweg einen guten Campingspot. Zum Abendessen gibt es selbstgemachtes Sauerkraut, welches wir vor ungefähr drei Tagen selbst angesetzt haben – superlecker!

Weiter nach Split

Den nächsten Tag fahren wir durch sehr mediterrane Landschaften mit vielen Olivenbäumen. Die Einheimischen sind gerade bei der Ernte und auch wir pflücken uns eine kleine Dose voll. Auf Google finden wir heraus, dass man die Oliven 10 Tage in Wasser einlegen soll, damit sie nicht mehr so herb schmecken!

Kroatien

Olivenernte

Es geht nun ein kleines Stückchen ins Landesinnere und wir müssen ein paar Berge erklimmen. Danach gibt es aber eine tolle Abfahrt auf der man einen wundervollen Ausblick auf das Mittelmeer und die Stadt Split hat!

Ungefähr 10 km vor der Stadt haben wir uns über Warmshowers eine Übernachtungsmöglichkeit organisiert. Dabei handelt es sich um ein verlassenes Haus von einer Frau, die dieses nicht mehr nutzt. Der Schlüssel liegt, wie beschrieben, im Briefkasten und als wir die Tür öffnen, erwartet uns eine nette kleine Wohnung. Wir tragen unsere Sachen rein und verbringen den Nachmittag an dem nahe gelegen Hafen. Abends kaufen wir noch eine Tüte Chips und zwei Bier und machen uns einen gemütlichen Abend in unserer Wohnung 🙂 .

Den Tag darauf fahren wir weiter Richtung Split und schauen uns auch hier die schöne Altstadt an.

Goodbye Kroatien!

Nachmittags beschliessen wir, noch ein Stückchen weiter zu fahren. Es geht nun Richtung Bosnien und Herzegowina, entlang einer recht stark befahrenen Landstraße. Wir befinden uns wohl im Feierabendverkehr und sind psychisch wieder ganz schön gefordert. Die vielen Tunnel auf dieser Straße kommen noch dazu. Nachdem wir den ersten Tunnel noch gefahren sind, nehmen wir bei den folgenden den Seitenstreifen und schieben unsere Räder – das ist besser!

Nach ein paar Kilometern und knapp 400 Höhenmetern, können wir die Straße verlassen und finden auf einer schönen Wiese einen gemütlichen Platz für unser Zelt.

Kroatien

Campingwiese und neue Winterschuhe! 🙂

Morgens nehmen wir auf einer kleinen Straße die letzten 40 km bis Bosnien und Herzegowina in Angriff! Die Autofahrer grüßen wieder vermehrt und hupen uns freundlich zu – vielleicht zum Abschied? Mittags machen wir Pause im “Hotel Berlin”. Wie wirklich viele Menschen in Kroatien, sprechen die Leute auch hier sehr gutes Deutsch. Der Barkeeper sagt uns, dass es die nächsten Tage sehr kalt werden soll und wir aufpassen müssen! Die Warnung nehmen wir freundlich an, können es uns bei diesem herrlichem Sonnenschein aber nicht so richtig vorstellen. Also fahren wir fröhlich weiter zur Grenze und am späten Nachmittag verlassen wir Kroatien ohne zu wissen, was uns in Bosnien und Herzegowina erwarten wird…

Kroatien

Goodbye Kroatien!


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9 Comments
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7 Jahre zuvor

Hey ihr beiden,

so ein schöner Bericht und nach einer Woche immer noch kein Kommentar. Auch ich erwische mich, nach einem simplen “Daumen hoch”-Knopf zu suchen und bei vielen Lesern bleibt es wahrscheinlich dabei, daher ein wenig Futter für euer Blog. 😉

Danke schön für die lebhaften Erzählungen – es ist immer wieder schön mit dabei zu sein. Als Liegeradfahrer ist man ja mit weniger Angriffsfläche unterwegs und es gibt Leute die behaupten, man unterfahre so flach den Wind. Das ist natürlich Unsinn, aber bei solchem Wind zu radeln ist schon heftig.

Gute Reise auch weiterhin! 🙂

7 Jahre zuvor
Reply to  Michel

Yoah, dann werde ich wohl den in Zukunft nutzen. 😀

Gert
7 Jahre zuvor

Love to read you’re blog!

Schleicher, angelika
7 Jahre zuvor

Hallo, ganz liebe Grüße aus Berlin. Lese gerade alle Berichte von euch, schaue alle Videos und bin total von eure Reise angetan. Ihr beide seit so inspirierend für mich, würde am liebsten auch gleich packen und losfahren.
Danke auch für die Statistik, so kann ich besser abschätzen, welche Kosten auf uns zukommen. Mein Mann und ich fangen gerade erst an Fernreisen mit dem Fahrrad zumachen. Wir sind schon älter und wollen nochmal etwas ganz anderes machen. Beide fahren wir gerne Rad und lieben die Küste und so haben wir mal so locker geplant Europa an den Küsten zu umrunden. Einige Fragen habt ihr mir schon im Blog oder in den Videos beantwortet, einige werden noch dazu kommen.
Danke, das ihr uns an eurer Reise so intensiv dran teilnehmen lasst.
Liebe Grüße aus Berlin von Angelika

Lothar
5 Jahre zuvor

Hallo,
vielen Dank für Euren schönen Reisebericht, vor allem auch deshalb, weil ja nicht so viele Erfahrungsbericht aus dieser Region vorliegen.
Könnt Ihr noch etwas mehr zum Verkehr auf der Küstenstrasse E65 in Kroatien sagen? Vielen Dank vorab.

Lothar

4 Jahre zuvor

ICH LIEBE EUREN BLOG!!! 🙂 Das musste ich jetzt einfach mal groß schreiben 😀 🙂 Ich möchte nächstes Jahr losfahren und bin so froh über die vielen Erfahrungen und Bilder, die ihr mit uns teilt. Abgesehen davon ist euer Blog so schön und sympathisch geschrieben! Alles Liebe!